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Spanien im 18.Jahrhundert. Der Marques Siniestro macht sich einen Spaß daraus, unschuldige Menschen zu quälen und zu erniedrigen. Als auf der Feier anlässlich seiner Verlobung ein Bettler auftaucht und um Almosen bittet, macht er ihn erst betrunken und dann vor den Augen seiner Gäste lächerlich. Nachdem er ihm überdrüssig geworden ist, lässt er ihn in den Kerker werfen. Der Bettler, der jahrelang in seiner Zelle vor sich hin vegetiert und immer mehr verwildert, freundet sich im Lauf der Jahre mit der stummen Tochter des Kerkerwächters an. Als diese heranwächst, wird sie als Dienstmädchen im Schloss berufen, wo sie sich dem vergreisten Marques verweigert. Zur Strafe wird sie gemeinsam mit dem Bettler in einer Zelle eingeschlossen. Ihr einstiger Freund, der inzwischen jegliche Menschlichkeit verloren hat, fällt über sie her und vergewaltigt sie. Das stumme Dienstmädchen kann zwar in die Wildnis aus dem Schloss des Marques flüchten, bricht aber schließlich erschöpft zusammen. Gefunden wird sie von dem gutmütigen Don Alfredo Corledo, der sie gemeinsam mit seiner Dienstmagd Teresa gesund pflegt. Dabei stellen sie fest, dass das stumme Mädchen ein Kind erwartet. Der abergläubischen Teresa schwant Böses, als dieses am Weihnachtstag geboren wird und die Mutter an den Strapazen stirbt. Eine alte Überlieferung besagt nämlich, dass an diesem Tag die bösen Geister besonders aktiv sind und von Neugeborenen Besitz ergreifen. Als der auf den Namen Leon getaufte Junge heranwächst, scheinen sich ihre Befürchtungen zu bewahrheiten, denn in Vollmondnächten verwandelt er sich in eine reißende Bestie…
“Der Fluch des Siniestro” gehört sicher zu den eher unbekannten Werken des britischen Hammer-Studios. Das ist an sich völlig unverständlich, denn der Film ist ein wahres Fest für Nostalgiker, die einen Sinn für altmodische Horror-Kost haben und auf einen schön langsam aufgebauten Spannungsbogen Wert legen. Denn hier handelt sich noch um einen Horror-Film, der sich für seine interessante Story viel Zeit nimmt.
Gut ein Viertel der Spieldauer wird nämlich auf die umfangreiche Vorgeschichte verwendet. Hier zeigt der Film bereits seine Stärken. Die Sets sind mit größter Sorgfalt gestaltet, die Darsteller bewegen sich in prächtigen Kostümen und dies alles wird in äußerst farbenfrohen Bildern festgehalten. Typisch Hammer eben. Als dann die Verwilderung des Bettlers voranschreitet und der vom Alter stark gezeichnete Graf auftritt, präsentiert sich auch die Kunst des Make Up-Artists in voller Pracht. Die Masken sind mit viel Liebe gestaltet und überzeugen noch heute. Das gilt im Übrigen genauso für das grandiose Werwolf-Make Up.
Der äußerst umfangreiche Prolog hat auch den Vorteil, dass der Zuschauer lange Zeit im Dunkeln tappt und nicht so recht weiß, in welche Richtung sich die Story entwickeln wird. Als man dann nach und nach erahnt, wie sich der Plot entwickeln wird, verliert der Film leider etwas an Fahrt. Besonders im Mittelteil wirkt der Film etwas zu harmlos und bietet nur wenig Spannung. Das liegt auch daran, dass der richtige Werwolf-Horror sehr lange, ja zu lange auf sich warten lässt. Zwar ist die Geschichte des jungen Leon und seiner Zieheltern, die mit dem Fluch ringen nicht uninteressant - an Spannung gewinnt der Film dann aber erst wieder im letzten Drittel. So lange muss der Zuschauer nämlich warten, bis der Werwolf endlich seine ersten Opfer reißen darf. Dies wird natürlich längst nicht so explizit gezeigt wie das heute meistens der Fall ist. Das “Der Fluch des Siniestro” eher ein Liebes-Drama mit Werwolf-Thematik ist, fällt trotzdem schwer zu behaupten. Zwar verwandelt sich Leon wegen der unglücklichen Liebe zur jungen Cristina (die einem Adligen versprochen wurde) in einen Werwolf, doch dieser Aspekt der Geschichte wird nicht konsequent ausgebaut oder in den Vordergrund gestellt.
Vielmehr ist “Der Fluch des Siniestro” ein atmosphärisch dichter Grusel-Film der alten Schule, der sein Augenmerk mehr auf das unglückliche Schicksal des Werwolfs legt, als ihn als gefühlskalte, mordende Bestie darzustellen. Bezeichnend dafür ist schon die herrliche Anfangssequenz mit den tränenden Werwolfs-Augen. Dass es mal abgesehen von der Jagd auf Leon am Schluss keine Action gibt, stört Nostalgiker bestimmt nicht.
Die Rolle des erwachsenen Leon wurde von dem noch jungen Oliver Reed übernommen. Der für seinen exzessiven Lebensstil bekannte Schauspieler sollte in den folgenden Jahren zum Star avancieren. Bevor er im Jahr 1999 verstarb, spielte er in Filmen wie “Die drei Musketiere” oder auch der Rock-Oper “Tommy” immer in der ersten Reihe mit. Fast wäre er sogar anstelle Sean Connerys der erste James Bond geworden. Die Liste der Nebendarsteller liest sich auf den ersten Blick recht unspektakulär, doch Anthony Dawson (in der Rolle des Marques Siniestro) sollten die meisten noch als Schurken aus dem Hitchcock Klassiker “Bei Anruf Mord” kennen. Dawson war ohnehin auf Schurkenrollen abonniert und agierte in “James Bond jagt Dr. No” ebenfalls auf der Seite des Verbrechens. Ein wahrer Veteran der James Bond-Reihe ist nur in einer winzigen Rolle als Diener im Schloss des Marques zu sehen. Desmond Llewelyn, der als leicht schusseliger Wissenschaftler Q in fast allen Filmen rund um den Geheimagenten 007 zu sehen war! Richard Wordsworth, hier in der Rolle des Bettlers, dürfte den Liebhabern der alten Hammer-Filme als mutierender Astronaut aus “The Quatermass Experiment” bekannt sein.
Über den Regisseur Terence Fisher muss man and dieser Stelle keine großen Worte verlieren. Wer sich mit Horror-Filmen älteren Datums auseinandersetzt, kommt an diesem Mann nicht vorbei. Mit unzähligen Klassikern wie “Dracula und seine Bräute” oder “Der Hund von Baskerville” hat er sich einen festen Platz ganz oben im Horror-Olymp gesichert. Während seine Filme heute natürlich harmlos wirken, war Fisher damals Vorreiter in der Darstellung graphischer Gewalt. Da er gerne auch einen sexuellen Unterton in seine Filme einwob, wurden seine Filme von zeitgenössischen Kritikern regelrecht zerrissen. Auch “Der Fluch des Siniestro” war den britischen Zensoren damals zu hart und so mussten einige Szenen geschnitten werden.
Auf der DVD aus dem Hause Koch Media ist der Film hingegen in der vollständig restaurierten Fassung zu sehen. Das Bild ist für einen Film dieses Alters schlichtweg phänomenal. Anfangs gibt es vielleicht noch die ein oder andere Verunreinigung zu bemerken, aber ansonsten ist schon fast unglaublich, was man aus dem weit über 40 Jahre alten Bildmaterial noch rausgeholt hat. Nicht ganz so gut ist leider der Mono-Ton in Deutsch und Englisch. Dieser rauscht z.T. merklich und klingt recht blechern, geht aber in Ordnung. Das Bonus-Material ist nicht sehr umfangreich, aber liebevoll zusammengestellt. Die Bildergalerie ist erfreulich groß geraten und bietet viele interessante Fotos und Kino-Plakate aus aller Welt. Neben dem obligatorischen Trailer findet sich dann noch der Comic zum Film auf DVD. Dieser wurde zwar ins deutsche übersetzt, die Bildqualität ist jedoch sehr bescheiden. Das Highlight ist jedoch das sehr interessante und reich bebilderte Booklet. Hier kann man unter anderem nachlesen, wieso der Film überhaupt im Spanien des 18. Jahrhunderts spielt und nicht wie üblich in England. Ein besonderes Schmankerl ist die edle Verpackung. Das Amaray steckt in einem hübschen Schuber mit Prägedruck, wobei ein herrlich altmodisches Cover-Motiv gewählt wurde.
Mit “Der Fluch des Siniestro” ist Koch Media also wieder einmal mehr eine sehr liebevolle gestaltete DVD-Edition gelungen, die den Film hier in Deutschland erstmals ungeschnitten präsentiert. Da sowohl Qualität als auch Bonus-Material überzeugen können, sollte die deutsche DVD die erste Wahl sein, wenn man diese wahre Horror-Perle in die Sammlung einreihen will.
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