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Werbetexter Howard, 1,05 m groß und weiß gefiedert, macht es sich gerade nach einem harten Tag mit Zigarre, Bier und dem Playduck vor dem Fernseher gemütlich, als er von einem Energiestrahl nicht nur aus dem Sessel, sondern auch aus seiner Heimat Duckworld gerissen wird. Nach einem Trip quer durch das Universum findet sich Howard in Cleveland auf dem Planeten Erde wieder - ein Planet, der von haarlosen Affen beherrscht wird, ein Schock für die Ente Howard. Nachdem er von einigen Herumtreibern auch nicht gerade freundlich empfangen wurde, macht er die Bekanntschaft mit der erfolglosen Rock-Sängerin Beverly. Die beiden Außenseiter tun sich zusammen und gemeinsam mit dem Laborassistenten Phil versuchen sie herauszufinden, wie Howard zu seiner Welt zurückkehren kann. Dabei entdecken sie, dass ein geheimes Laser-Experiment für Howards intergalaktische Reise verantwortlich ist. Inzwischen jedoch ist ein weiterer Besucher aus einem anderen Teil des Universums eingetroffen und dieser hat ganz und gar keine freundlichen Absichten. Nur eine Ente kann jetzt noch den Tag retten!
Was uns Willard Huyck hier abgeliefert hat, würde wohl jeden anspruchsvollen Cineasten in Angst und Schrecken versetzen. In der Welt von “Howard the Duck” geht es drunter und drüber. Eine Bier trinkende Ente mit einem Faible für Zigarren und Männermagazine, der typische 80er-Flair inklusive schrecklicher Frisuren und nicht zuletzt die trashigen Effekte sollten den Film eigentlich zum Fest für den Fan des schlechten Geschmacks machen. Leider ist “Howard The Duck” auch als purer Trash-Film betrachtet ein doch recht durchwachsenes Vergnügen. Kein Wunder, dass der Film für Produzent George Lucas zum totalen Desaster wurde.
Dass er zu irgendeinem Zeitpunkt langweilig oder lahm wäre, kann man dem Film jedenfalls nicht vorwerfen. Was man in anderen Filmen in einer halben Stunde präsentiert bekommt, wird hier in zehn Minuten gesteckt. Besonders der Anfang ist sehr rasant inszeniert und der Zuschauer muss schon aufpassen, dass er der Handlung noch folgen kann. Dies kann über die deutlichen Schwächen des Films jedoch nicht hinwegtäuschen. Das Hauptproblem liegt darin, dass sich der Film irgendwie nicht so recht entscheiden kann, ob er jetzt ein Film für ein schon etwas älteres Publikum sein oder doch eher kinderfreundliche Unterhaltung bieten will. Deutlich fällt dies bei der Charakterisierung Howards auf. Auf der einen Seite liebt er Bier, gibt zynische Kommentare und ist einer Schlägerei nicht abgeneigt, ja macht sogar Beverly an (er hat in seinem Portemonnaie auch ein Kondom bereit liegen), auf der anderen Seite wird er wie ein kleines Kind dargestellt, dass sich von Beverly entsprechend bemuttern lässt. Auch die gesamte Machart des Filmes leidet unter dieser Unentschlossenheit. Für Kinder ist der Film mit seinen vielen sexuellen Anspielungen und einigen doch recht Furcht einflößenden Szenen (besonders am Schluss) nicht geeignet, vielen Erwachsenen dürften die meisten Gags zu simpel und die Gangart des Filmes nicht konsequent genug sein.
Auch sollte man nicht verschweigen, dass “Howard The Duck” teilweise so albern ist, das es schon weh tut. Das liegt nicht zuletzt an den Nebendarstellern, besonders Tim Robbins ( “Die Verurteilten”) als freakiger Laborassistent, den wohl so mancher Zuschauer gerne erwürgen würde. Fast unglaublich dass der heute als seriöser Top-Schauspieler anerkannte Robbins mal so einen Nerv-Faktor entfaltet hat. Der bekannte Nebendarsteller Jeffrey Jones ( “Lottergeist Beetlejuice”) gibt einen der wohl erbärmlichsten Schurken der Filmgeschichte ab und nervt mit seinem stoischen Gerede eher, als dass er erschreckt. Immerhin wird er am Schluss von einem extrem kultig animierten Monster abgelöst.
Das soll natürlich nicht heißen, dass “Howard The Duck” ein wirklich schlechter Film sei. Dafür ist das Pärchen Beverly-Howard viel zu sympathisch und es geht ständig die Post ab. Dabei sollte man auch nicht vergessen, die wirklich grandiose Musik zu erwähnen. Die Songs wurden z.T. von Beverly-Darstellerin Lea Thompson selbst gesungen. Respekt! Lea Thompson ist dann ein weiterer Grund, den diesen Film trotz der kleinen Mängel sehenswert macht, denn Lea Thompson verkörpert Power-Frau Beverly nicht nur perfekt, sondern ist dabei auch noch super sexy (daran ändert selbst ihre gruselige Frisur nichts). Nicht umsonst hat man sie aus vielen weitern Kult-Klassikern der 80er im Gedächtnis, allen voran natürlich “Zurück in die Zukunft”. In den letzten Jahren hingegen hat sie sich einen Namen als Serien-Darstellerin gemacht und ist Star der TV-Filme “Jane Doe”, bei denen sie seit neustem auch hinter der Kamera als Regisseurin arbeitet.
Sympathieträger Howard wurde gleich von acht Darstellern gespielt. Einmal wäre da Ed Gale, der hier zum ersten Mal vor der Kamera stand. Für den kleinen Mann war es der Anfang einer bis heute andauernden Karriere als Nebendarsteller/Stuntdouble. U.a. spielte er in “Oh Brother, Where Art Thou?” und schlüpfte in das Kostüm von Chucky, der berüchtigten Mörderpuppe. Numero Zwei Tim Rose kennen wir alle als Admiral Ackbar aus “Die Rückkehr der Jedi-Ritter”. Gesprochen wurde Howard in der englischen Sprachfassung von Chip Zien, der vor allem in TV-Serien zu sehen ist. Darüber hinaus hat er sich einen Namen als Broadway-Darsteller gemacht.
Eher unspektakulär liest sich auf den ersten Blick die Filmografie von Regisseur Willard Huyck. Dass der 37,5 Millionen Dollar teure “Howard The Duck” an den Kinokassen gerade mal seine reinen Produktionskosten eingespielt hatte, war seiner Karriere wohl nicht gerade dienlich. Immerhin hat er die Drehbücher für Klassiker wie “Indiana Jones und der Tempel des Todes” oder “American Graffiti” verfasst und war dafür für den Oscar nominiert. Das hat George Lucas jedoch nicht davon abgehalten, seinem langjährigen Weggefährten Huyck nach der finanziellen Katastrophe “Howard The Duck” keine Aufträge mehr zu geben. Der erste und einer der wenigen Filme, bei denen Huyck selbst auch Regie geführt hat, ist übrigens “Messiah Of Evil” aus dem Jahre 1973. Dieser kleine, aber feine Film ist eine Mischung aus Zombie-Film und Filmen a la “Texas Chainsaw Massacre”. Da dem Streifen bisher noch nicht die verdiente Aufmerksamkeit zu teil wurde, sei dem Leser dieser Zeilen Huycks Erstling wärmstens ans Herz gelegt.
Ebenso uneingeschränkt zu empfehlen ist die DVD aus dem Hause Koch Media, die den Film weltweit erstmals in digitaler Form veröffentlicht und dabei gleich eine absolute Referenz-DVD vorgelegt hat, die nur schwer zu toppen sein dürfte. Das Bild ist schlichtweg phänomenal. Der Film liegt selbstverständlich im Original-Format 1:1,85 vor und wird in kräftigen Farben und beeindruckender Detailschärfe dargeboten. Mängel wie das geringe Rauschen sind zu vernachlässigen und so hat Koch Media hier mal wieder vorbildliche Arbeit geleistet.
Beim Ton gibt man sich ebenfalls keine Blöße. Besonders der deutsche Ton ist klar und knackig, der englische geht aber auch absolut in Ordnung (beide in 2.0 Stereo).
Mit den Extras sieht es leider nicht so rosig aus, was bei diesem Film aber verständlich ist, da George Lucas sich wohl heute noch für diesen kleinen Ausrutscher schämt. Was so mancher allerdings schmerzlich vermissen wird ist das sonst obligatorische Booklet, gerade zu diesem Film hätte es ja einiges an Hintergrund-Informationen gegeben. Neben einer kleinen Bildergalerie finden sich insgesamt drei Teaser auf der DVD. Der erste ist nur die übliche Vorschau, der zweite hingegen schon interessanter, da für diesen extra Material mit Lea Thompson gedreht wurde. Beim dritten, der “Duckumentary” schließlich handelt es sich um Kurzkommentare von Cast und Crew, die von Howard schwärmen. Hier kann man vielleicht auch erahnen, wieso der Flop von “Howard The Duck” so ein schwerer Schlag für Lucas war. In dem Teaser nämlich posiert er selbst stolz mit den Darstellern und lässt explizit mit seinem Namen werben. Lucas war wohl tatsächlich der festen Überzeugung, “Howard The Duck” würde sein nächstes großes Ding werden. Ziemlich blauäugig von ihm, wenn man die allgemeine Qualität des Filmes betrachtet.
Trotzdem, für einen unterhaltsamen Abend mit Freunden ist “Howard The Duck” eine gute Wahl und sei es nur weil man darüber diskutieren kann, was aus dem Streifen mit einer klaren Linie hätte werden können. So bleibt ein skurriles Relikt der 80er, dem Koch Media aber eine exzellente DVD spendiert hat. Besteht vielleicht die Hoffnung, dass sie sich in Zukunft auch anderer Kultklassiker aus dieser Sparte, wie z.B. dem zu recht legendären “Fritz The Cat” widmen werden, um den Fans einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen?
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