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Auffällig im Film sind die ausgesprochen komischen fast Slapstickhaften Elemente, wie z. B. die beiden tollpatschigen Cops, deren Auftauchen in diesem düsteren, schmerzlichen Film überrascht. Sie haben allerdings einen enorm wichtigen, die Inszenierung stützenden Effekt. Durch den Humor wird die Gewalt intensiviert. Gerade vor der sadistischen Folterung der beiden Mädchen setzt Craven verstärkt in der Zeichnung der Bande auf komödiantische Einlagen.
Wenn die Gewalt in der für den damaligen Zuschauer noch nie gesehenen Form in den Film einbricht, wird die aufgebaute Entertainmenterwartung ad absurdum geführt. Dieser inszenatorische Trick funktioniert hervorragend und so überraschend, dass dem Zuschauer kaum Gelegenheit bleibt auf Distanz zu dem Geschehen zu gehen. Darüber hinaus stehen auch in der Realität oft Tragik und Komödie unmittelbar und meist auf völlig banale Weise nebeneinander. Craven geht es hier ebenfalls um einen Effekt zur Erzielung von Authentizität.
Zweifellos hatte
“Last House on the Left” einen ungeheuren Einfluss auf den zunehmenden Realismus im modernen Horrorfilm der 70er Jahre. Im Falle der Cop-Szenen reflektiert der Humor natürlich auch das wenig vertrauensvolle Verhältnis der Autoren zu der gesellschaftlichen Position der Gesetzeshüter. Orson Welles setzt in der berühmten Gerichtsszene in
“Die Lady von Shanghai” auf ähnliche Weise auf groteske Überzeichnung des Richters und des Ablaufs der Verhandlung, um sein gespanntes Verhältnis zu Systemstützenden Einrichtungen zu verdeutlichen. Auch bei Welles bricht die Szene vollkommen mit dem vorhergehenden filmischen Stil.
Die bereits mehrfach erwähnte Gewalt im Film sprengt die Grenzen des bis dahin gezeigten. Verschiedene Faktoren, von denen einige schon genannt wurden, bedingen deren Wirkung. Besonders eindringlich ist der Kontrast zwischen der rüden Körperlichkeit der Bande, besonders dessen Anführer und der verletzlichen Körperlichkeit der Mädchen, die sich zudem vor ihren Peinigern ausziehen müssen, um diese Divergenz zu unterstreichen.
Die Gewalt ist dreckig und von bedrückender Hässlichkeit. Sie hat kaum etwas mit der Darstellung im Grossteil des aktuellen Splatterkino gemein (eine wichtige Ausnahme stellt hier sicherlich Gaspar Noes Avantgardefilm
“Irreversible” dar). Aufgrund dessen hat Craven die erste Schnittfassung um einige verstörende Bilder erleichtert.
Eine der stärksten Aufnahmen - die Frontalansicht des Mädchens, welchem der Name “Krug” in die Haut geritzt wurde - findet sich im fertigen Film nicht wieder. Musik und Umgebung unterstützen die verstörende Wirkung.
Die im ganzen Film präsenten Folkballaden von David Hess, die dem Film eine zusätzliche Dimension geben, erklingen teilweise auch zu den Folterungen und Demütigungen der Mädchen. Der romantisierte Text wird auf äußerst zynische Weise durch die Bilder aus seinem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang gerissen und in einen neuen Kontext gestellt. Der Film feiert dabei keineswegs den Nihilismus, sondern wahrt die kritische Distanz. Die Balladen reflektieren ebenso wie der dokumentarische Stil das Geschehen und kommentieren es in indirekter Form.
Als weitere Untermalung der grausigen Details wählen die Macher Stille oder melodielose kurze dissonante Klänge. Die idyllische Umgebung des Waldes ist nicht nur durch die Herbststimmung von Verwesung gekennzeichnet, auch schiefe verwahrloste Gräber oder liegen gebliebene seit Jahrzehnten verrottete Autos sind Zeugen des Verfalls.
Obwohl ein paar der schauspielerischen Leistungen sehr laienhaft wirken - was im übrigen gut zur Atmosphäre des Films passt - finden sich doch einige herausragende Darstellungen. An vorderster Front ist hier natürlich David Hess als Anführer Krug Stiller zu nennen, der in seiner Rolle vollkommen aufgeht und den Film über weite Teile trägt.
Wie bei anderen enorm prägnanten Darstellungen erwies sich dies für den Schauspieler als Fluch und Segen zugleich. Nach
“Last House on the Left” war Hess auf die Rolle des Psychopathen festgelegt, die er in gleicher Form in Deodatos durchaus gelungener
“Last House on the Left”-Variation
“House at the Edge of the Park” wiederholte, der seinem Vorbild folgend keine klaren Opfer-Täter-Konstellationen anbieten wollte.
Neben David Hess ist seine Partnerin Jeramie Rain als Sadie, die Freundin des Anführers, unbedingt erwähnenswert. Obwohl ihre Darstellung fast ähnlich intensiv wie die von Hess ausfällt, blieb dies leider ihr weitgehend einziger Auftritt auf der großen Leinwand.
Der Film sah sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, dass keine Form der Charakterentwicklung zu erkennen sei. Tatsächlich ist dieser Vorwurf nicht direkt von der Hand zu weisen. Es lässt sich eine Nähe zu naturalistischen Strömungen und den Romanen Zolas ausmachen. Eine Entwicklung der Charaktere ist nach Zola aufgrund der biologischen Determination nicht möglich und Figuren werden lediglich zum Medium der Vermittlung einer sozialen Lebenswelt.
In der vielleicht eindrucksvollsten Szene des Films wird dies verdeutlicht. Nachdem Krug & seine Bande Mari gequält und vergewaltigt haben, wenden sie sich angeekelt von ihrer eigenen Tat ab. Doch trotz diesem scheinbaren Moment der Erkenntnis, bleibt dieser ohne Folgen. Die Figuren verharren weiter in ihren Rollen. Wie automatisiert begibt sich Mari in den kleinen See und bleibt darin stehen. Krug und die anderen folgen ihr auf dieselbe Weise. Der Anführer hebt die Waffe und erschießt das Mädchen als gelte es das vorherbestimmte Schicksal für Mari und vor allem für sich selbst einzulösen.
Die darauf folgende Säuberung vom Blut erfolgt ähnlich mechanisch. Die im Film leitmotivisch immer wieder auftauchende Liedzeile “and the Road leads to Nowhere” kann kaum eindrücklicher in Szene gesetzt werden. Gerade aus der Determination der Figuren zieht der Film seine Stärke und Aussage.
Wes Craven hat nie wieder die Qualität seines Erstlings erreichen können, trotzdem er 1977 mit
“The Hills have Eyes” einen weiteren hervorragenden dabei thematisch durchaus ähnlich gelagerten Horrorfilm hervorbrachte, dem ebenso ein dualistisches Prinzip zugrunde liegt und der auf radikale Weise mit der amerikanischen Durchschnittsfamilie abrechnet.
In den 80er Jahren wurde Craven zum Initiator der erfolgreichen
“Nightmare on Elm Street” - Reihe und schuf mit dem herrlich surrealen Traumdämon Freddy Krüger eine der glamourösesten Horrorikonen, der leider unter der Serienhaften Machart der Nachfolgefilme und seiner wenig glamourösen Fangemeinde zu leiden hatte.
Mit seinem bisher erfolgreichsten Film der Zitatensammlung
“Scream” die dem Teenhorror zu einer beachtlichen Renaissance verhalf und Edvard Munchs “Der Schrei” einem jüngeren Publikum nahe brachte, wurde er schließlich sogar zum Liebling der modernen MTV-Generation.
Es gibt weit bedeutendere Regisseure als Wes Craven und inwieweit die außergewöhnliche Qualität seines Debüts vor allem ihm zuzuschreiben ist, bleibt fraglich, aber dennoch hat er drei Jahrzehnte Filmgeschichte wesentlich mitgestaltet.
Der Produzent Sean S. Cunningham begründete mit
“Freitag der 13.” die wohl bisher langlebigste Horrorserie, dessen Held Jason Vorhees nicht das Zeug zur Ikone mitbrachte, aber doch schlichtere Gemüter zu beeindrucken wusste. Leider wurde er zum Aushängeschild des modernen Horrorfilms, der Gegnern des Genres immer wieder dazu diente selbiges zu diffamieren, aufgrund Vorhees geringer geistigen und Filmtragenden Qualitäten. Unbestreitbar bleibt dennoch, dass ohne Craven und Cunningham das Gesicht des populären Horrorkinos vermutlich ein anderes wäre.
“Last House on the Left” zog etliche Variationen des Themas nach sich. Zu den besten gehören der bereits erwähnte
“House at the Edge of the Park” von Ruggero Deodato und
“Night Train Murders” des unterschätzten Aldo Lado, der die bestialische Ermordung der Mädchen in ein abgelegenes Zugabteil verlegt.
Zusammen mit Hoopers
“The Texas Chainsaw Massacre” ist
“Last House on the Left” zu einem der wichtigsten Terror-Klassiker der Siebziger Jahre geworden.
Auch wenn beide Filme noch nicht so explizit in ihrer Wundästhetik waren wie spätere Werke, so hat doch kaum ein Film nach ihnen, den menschlichen Körper jemals wieder so verletzen können.