Review: The Last House on the Left

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USA The Last House on the Left
OT: USA The Last House on the Left
AT: DE UK The Last House on the Left AT: de Mondo Brutale
AT: Franz La Derniere maison sur la gauche      

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Genre
p Krimi | Horror | Thriller
Land
p USA
Jahr
p  1972
Links
p USA Externer Link www.imdb.com
p DE Externer Link www.ofdb.de
p DE Externer Link Wikipedia
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cveidt P Autor: Ex  CVeidt

P 15. August 2005

Regie
p Wes Craven
drehbuch
p Wes Craven (Drehbuch)
Musik
p David Hess
Kamera
p Victor Hurwitz
Schnitt
p David Hess
Produktion
p Sean S. Cunningham (Producer)
p Katherine D’Amato (Associate Producer)
p Steve Dwork (Assistant Producer)
p Steve Miner (Assistant Producer)
 
Darsteller
p Sandra Cassel - Mari Collingwood
p Lucy Grantham - Phyllis Stone
p David Hess - Krug Stillo
p Fred J. Lincoln - Fred ‘Weasel’ Podowski
p Jeramie Rain - Sadie
p Marc Sheffler - Junior Stillo
p Gaylord St. James - Dr. John Collingwood
p Cynthia Carr - Estelle Collingwood
p Ada Washington - Ada, Chicken-Lady
p Marshall Anker - Sheriff
p Martin Kove - Deputy
p Ray Edwards - Briefträger
p Jonathan Craven - Junge mit dem Ballon
p Anthony J. Forcelli - Eisman
 
 

ACHTUNG: Das Review könnte Spoiler beinhalten !!!

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Movie “Last House on the Left” gehört sicherlich zu den wichtigsten und einflussreichsten Horrorfilmen der 70er Jahre, welcher das Genre wesentlich mitprägte und veränderte.
Inspiration für diesen Film lieferte Ingmar Bergman’s Movie “Die Jungfrauenquelle”, der die Rache eines Mannes an drei Hirten schildert, die seine Tochter vergewaltigten und danach töteten. Diese dunkle “Rape and Revenge” - Geschichte fand Bergman in einem alten Volkslied.

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In Wes Craven’s Film ist es ebenfalls ein Lied welches das Thema vorgibt: “and the Road leads to Nowhere”. Diese melancholische Folkballade liegt über dem Vorspann und markiert den Beginn einer Reise. Zwei Mädchen verlassen die Idylle ihrer im Wald gelegenen heimischen Umgebung, um in die Stadt zu fahren zum Konzert einer Band mit dem bezeichnenden Namen “Blood Lust”.
Als sie einen jungen Mann nach Drogen fragen, führt sie dieser zu einer Wohnung, in der eine gefährliche Bande unter der Führung von Krug Stiller Quartier genommen hat. Sie sind aus dem Gefängnis ausgebrochen und befinden sich auf der Flucht vor der Polizei. Im Kofferraum eines Wagens werden die beiden Mädchen die Wohnung wieder verlassen. Die Verbrecher bringen sie zurück in die Idylle ihres Waldes, demütigen, vergewaltigen und töten sie dort.
Auf der weiteren Flucht geraten die Mörder in das Haus der Eltern, eines der getöteten Mädchen. Als diese erkennen, wen sie in ihr Haus aufgenommen haben, verwandeln sich die braven Bürger in sadistische Bestien, die mit Messer, Kettensäge und den eigenen Zähnen als Kastrationswerkzeuge den einstigen Tätern zu Leibe rücken. Am Ende sitzen die Eltern zwischen den Trümmern des für den Geburtstag ihrer Tochter geschmückten Wohnzimmers, gegenüber dem hingerichteten Anführer der Bande als Spiegelbild ihrer selbst.

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Mit einer bis dato nie gesehenen Unmittelbarkeit und Intensität bricht die Gewalt in diesen Film ein und steht im scharfen Kontrast zu dem sanften Beginn, der mit den Idealen der Jugendbewegung der 60er Jahre kokettiert.
Mari, eines der späteren Opfer, bekommt von ihren Eltern das “Peace”-Symbol an einer Kette geschenkt. Wenn die Mädchen am Anfang durch den Wald wandern, erscheinen sie mit ihren langen Haaren, den ätherischen Gesichtern wie stilisierte Vertreter der Hippie-Ära. Sie erinnern an die Mädchen aus Peter Weirs Movie “Picknick am Valentinstag”, die sich ebenfalls auf eine Reise begeben, von der ein Teil von ihnen nicht zurückkehren wird.
Beide Filme handeln vom Untergang einer Epoche. Doch bei Weir hat der Weg der Heldinnen zu den phallischen Felsen von Hanging Rock etwas Verheißungsvolles. Er markiert das unaufhaltsame Zerbrechen des englischen Viktorianismus und seiner konservativen Strukturen, seiner Entsexualisierung. Das Fremde, das Mythische im Felsen, seine sexualisierte Landschaft ist dabei durchaus positiv belegt. Natürlich würde es diesem australischen Mystery-/Horrorklassiker nicht gerecht werden, ihn auf ein hippieskes Erweckungsdrama zu reduzieren, dennoch trägt er viel von dem Geist, den Idealen und der Ästhetik dieser Ära in sich.
Der geheimnisvolle, sich durch das Unkonkrete auszeichnende Traum aus Weirs Film zerbricht in Craven’s vier Jahre früher entstandenem Werk. So wie Weir eine konservative Klassengesellschaft demontiert, so trägt Craven die durch zahlreiche gesellschaftliche Ereignisse ausgebluteten Hippie-Ideale zu Grabe.

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Wo in Movie “Picknick am Valentinstag” eine erblühende Frühlingslandschaft gezeichnet wird, herrscht in Craven’s pessimistischen Film eine melancholische Herbststimmung. Das Paradies liegt im Sterben. Wie ein Überbleibsel von etwas vergangenem, das seine Bedeutung verloren hat, wirkt das “Peace”-Symbol um den Hals des Mädchens. Als die Mutter den Anhänger bei den Tätern entdeckt, wird es gar den sadistischen Rachefeldzug der Eltern einleiten. Dieser zynische Blick findet sich auch wieder in den Dialogen, wenn z.B. die Freundin des Anführers eigenwillige Sprüche über ihre Emanzipation als Frau macht und damit diese Errungenschaft der 60er Jahre ins grotesk-lächerliche zieht.

Während den anfänglichen Bildern noch etwas Träumerisches innewohnt, wird die Inszenierung immer dokumentarischer, bemüht sich der Film um immer mehr Authentizität. Das geringe Budget und die daraus resultierende karge Ausstattung, das oftmals amateurhaft wirkende Spiel der Darsteller, der häufige Gebrauch von Handkameras sowie die eher statische Photographie unterstützen diesen Eindruck. Hinzukommt die bewusst in den Vorspann gesetzte Lüge, es handle sich hierbei um eine wahre Begebenheit.

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Sowohl der Vietnamkrieg als auch die Manson-Morde mit denen sich das Bild der “Love & Peace”- Generation in der Öffentlichkeit dramatisch wandelte, hatten deutlichen Einfluss auf Movie “Last House on the Left”.
Die Wundästhetik und die Darstellung von Gewalt orientieren sich an realitätsnahen Bildern des Krieges. Durch die Manson-Morde wurde endgültig mit der Vorstellung des friedliebenden, langhaarigen Hippies gebrochen und die immer schon gehegten Vorurteile der konservativen Bevölkerung schienen sich bestätigt zu haben. Die Krugbande erscheint dann auch als entartete Form einer Hippiekommune. Drogen führen hier in die Abhängigkeit. Sexualität artet in Perversion aus.
Fast ließe sich daraus schließen, dass hinter Craven’s Absichten ebenfalls konservatives Gedankengut zu entdecken sei. Doch selbst wenn damals viele Eltern ihre Kinder zur Abschreckung in diesen Film schickten, erweist sich der Blick auf die bürgerliche Gesellschaft als ähnlich degeneriert. Das Motiv der Rache für den Mord an der Tochter wandelt sich in eine reine anarchische Lust am Töten. Und wo am Ende von Bergman’s Film der Rächer geläutert wird und an der Stelle der Tat eine Quelle entspringt, bleibt der Familie in Craven’s Werk nichts als ein seelisches Trümmerfeld.
Craven geht in Distanz sowohl zu den Outlaws als auch zu den Bürgern, zwei Welten die sich erstaunlich äquivalent zueinander verhalten. Dazwischen zerbricht der “Pipe Dream”, die alten Ideale der Jugendbewegung, deren Naivität der bestehenden Wirklichkeit nicht gerecht wurde.

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Auffällig im Film sind die ausgesprochen komischen fast Slapstickhaften Elemente, wie z. B. die beiden tollpatschigen Cops, deren Auftauchen in diesem düsteren, schmerzlichen Film überrascht. Sie haben allerdings einen enorm wichtigen, die Inszenierung stützenden Effekt. Durch den Humor wird die Gewalt intensiviert. Gerade vor der sadistischen Folterung der beiden Mädchen setzt Craven verstärkt in der Zeichnung der Bande auf komödiantische Einlagen.
Wenn die Gewalt in der für den damaligen Zuschauer noch nie gesehenen Form in den Film einbricht, wird die aufgebaute Entertainmenterwartung ad absurdum geführt. Dieser inszenatorische Trick funktioniert hervorragend und so überraschend, dass dem Zuschauer kaum Gelegenheit bleibt auf Distanz zu dem Geschehen zu gehen. Darüber hinaus stehen auch in der Realität oft Tragik und Komödie unmittelbar und meist auf völlig banale Weise nebeneinander. Craven geht es hier ebenfalls um einen Effekt zur Erzielung von Authentizität.
Zweifellos hatte Movie “Last House on the Left” einen ungeheuren Einfluss auf den zunehmenden Realismus im modernen Horrorfilm der 70er Jahre. Im Falle der Cop-Szenen reflektiert der Humor natürlich auch das wenig vertrauensvolle Verhältnis der Autoren zu der gesellschaftlichen Position der Gesetzeshüter. Orson Welles setzt in der berühmten Gerichtsszene in Movie “Die Lady von Shanghai” auf ähnliche Weise auf groteske Überzeichnung des Richters und des Ablaufs der Verhandlung, um sein gespanntes Verhältnis zu Systemstützenden Einrichtungen zu verdeutlichen. Auch bei Welles bricht die Szene vollkommen mit dem vorhergehenden filmischen Stil.

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Die bereits mehrfach erwähnte Gewalt im Film sprengt die Grenzen des bis dahin gezeigten. Verschiedene Faktoren, von denen einige schon genannt wurden, bedingen deren Wirkung. Besonders eindringlich ist der Kontrast zwischen der rüden Körperlichkeit der Bande, besonders dessen Anführer und der verletzlichen Körperlichkeit der Mädchen, die sich zudem vor ihren Peinigern ausziehen müssen, um diese Divergenz zu unterstreichen.
Die Gewalt ist dreckig und von bedrückender Hässlichkeit. Sie hat kaum etwas mit der Darstellung im Grossteil des aktuellen Splatterkino gemein (eine wichtige Ausnahme stellt hier sicherlich Gaspar Noes Avantgardefilm Movie “Irreversible” dar). Aufgrund dessen hat Craven die erste Schnittfassung um einige verstörende Bilder erleichtert.
Eine der stärksten Aufnahmen - die Frontalansicht des Mädchens, welchem der Name “Krug” in die Haut geritzt wurde - findet sich im fertigen Film nicht wieder. Musik und Umgebung unterstützen die verstörende Wirkung.
Die im ganzen Film präsenten Folkballaden von David Hess, die dem Film eine zusätzliche Dimension geben, erklingen teilweise auch zu den Folterungen und Demütigungen der Mädchen. Der romantisierte Text wird auf äußerst zynische Weise durch die Bilder aus seinem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang gerissen und in einen neuen Kontext gestellt. Der Film feiert dabei keineswegs den Nihilismus, sondern wahrt die kritische Distanz. Die Balladen reflektieren ebenso wie der dokumentarische Stil das Geschehen und kommentieren es in indirekter Form.
Als weitere Untermalung der grausigen Details wählen die Macher Stille oder melodielose kurze dissonante Klänge. Die idyllische Umgebung des Waldes ist nicht nur durch die Herbststimmung von Verwesung gekennzeichnet, auch schiefe verwahrloste Gräber oder liegen gebliebene seit Jahrzehnten verrottete Autos sind Zeugen des Verfalls.

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Obwohl ein paar der schauspielerischen Leistungen sehr laienhaft wirken - was im übrigen gut zur Atmosphäre des Films passt - finden sich doch einige herausragende Darstellungen. An vorderster Front ist hier natürlich David Hess als Anführer Krug Stiller zu nennen, der in seiner Rolle vollkommen aufgeht und den Film über weite Teile trägt.
Wie bei anderen enorm prägnanten Darstellungen erwies sich dies für den Schauspieler als Fluch und Segen zugleich. Nach Movie “Last House on the Left” war Hess auf die Rolle des Psychopathen festgelegt, die er in gleicher Form in Deodatos durchaus gelungener Movie “Last House on the Left”-Variation Movie “House at the Edge of the Park” wiederholte, der seinem Vorbild folgend keine klaren Opfer-Täter-Konstellationen anbieten wollte.
Neben David Hess ist seine Partnerin Jeramie Rain als Sadie, die Freundin des Anführers, unbedingt erwähnenswert. Obwohl ihre Darstellung fast ähnlich intensiv wie die von Hess ausfällt, blieb dies leider ihr weitgehend einziger Auftritt auf der großen Leinwand.

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Der Film sah sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, dass keine Form der Charakterentwicklung zu erkennen sei. Tatsächlich ist dieser Vorwurf nicht direkt von der Hand zu weisen. Es lässt sich eine Nähe zu naturalistischen Strömungen und den Romanen Zolas ausmachen. Eine Entwicklung der Charaktere ist nach Zola aufgrund der biologischen Determination nicht möglich und Figuren werden lediglich zum Medium der Vermittlung einer sozialen Lebenswelt.
In der vielleicht eindrucksvollsten Szene des Films wird dies verdeutlicht. Nachdem Krug & seine Bande Mari gequält und vergewaltigt haben, wenden sie sich angeekelt von ihrer eigenen Tat ab. Doch trotz diesem scheinbaren Moment der Erkenntnis, bleibt dieser ohne Folgen. Die Figuren verharren weiter in ihren Rollen. Wie automatisiert begibt sich Mari in den kleinen See und bleibt darin stehen. Krug und die anderen folgen ihr auf dieselbe Weise. Der Anführer hebt die Waffe und erschießt das Mädchen als gelte es das vorherbestimmte Schicksal für Mari und vor allem für sich selbst einzulösen.
Die darauf folgende Säuberung vom Blut erfolgt ähnlich mechanisch. Die im Film leitmotivisch immer wieder auftauchende Liedzeile “and the Road leads to Nowhere” kann kaum eindrücklicher in Szene gesetzt werden. Gerade aus der Determination der Figuren zieht der Film seine Stärke und Aussage.

Wes Craven hat nie wieder die Qualität seines Erstlings erreichen können, trotzdem er 1977 mit Movie “The Hills have Eyes” einen weiteren hervorragenden dabei thematisch durchaus ähnlich gelagerten Horrorfilm hervorbrachte, dem ebenso ein dualistisches Prinzip zugrunde liegt und der auf radikale Weise mit der amerikanischen Durchschnittsfamilie abrechnet.
In den 80er Jahren wurde Craven zum Initiator der erfolgreichen Movie “Nightmare on Elm Street” - Reihe und schuf mit dem herrlich surrealen Traumdämon Freddy Krüger eine der glamourösesten Horrorikonen, der leider unter der Serienhaften Machart der Nachfolgefilme und seiner wenig glamourösen Fangemeinde zu leiden hatte.
Mit seinem bisher erfolgreichsten Film der Zitatensammlung Movie “Scream” die dem Teenhorror zu einer beachtlichen Renaissance verhalf und Edvard Munchs “Der Schrei” einem jüngeren Publikum nahe brachte, wurde er schließlich sogar zum Liebling der modernen MTV-Generation.

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Es gibt weit bedeutendere Regisseure als Wes Craven und inwieweit die außergewöhnliche Qualität seines Debüts vor allem ihm zuzuschreiben ist, bleibt fraglich, aber dennoch hat er drei Jahrzehnte Filmgeschichte wesentlich mitgestaltet.
Der Produzent Sean S. Cunningham begründete mit Movie “Freitag der 13.” die wohl bisher langlebigste Horrorserie, dessen Held Jason Vorhees nicht das Zeug zur Ikone mitbrachte, aber doch schlichtere Gemüter zu beeindrucken wusste. Leider wurde er zum Aushängeschild des modernen Horrorfilms, der Gegnern des Genres immer wieder dazu diente selbiges zu diffamieren, aufgrund Vorhees geringer geistigen und Filmtragenden Qualitäten. Unbestreitbar bleibt dennoch, dass ohne Craven und Cunningham das Gesicht des populären Horrorkinos vermutlich ein anderes wäre.

Movie “Last House on the Left” zog etliche Variationen des Themas nach sich. Zu den besten gehören der bereits erwähnte Movie “House at the Edge of the Park” von Ruggero Deodato und Movie “Night Train Murders” des unterschätzten Aldo Lado, der die bestialische Ermordung der Mädchen in ein abgelegenes Zugabteil verlegt.

Zusammen mit Hoopers Movie “The Texas Chainsaw Massacre” ist Movie “Last House on the Left” zu einem der wichtigsten Terror-Klassiker der Siebziger Jahre geworden.
Auch wenn beide Filme noch nicht so explizit in ihrer Wundästhetik waren wie spätere Werke, so hat doch kaum ein Film nach ihnen, den menschlichen Körper jemals wieder so verletzen können.

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Letztes Update: 16. Februar 2006 Back    Hoch

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