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Wer in den Achtziger Jahren spätabends häufiger fernsah, landete irgendwann unweigerlich bei Jack Arnold. Die vom WDR produzierte Serie “Jack Arnold erzählt” gehörte zeitweise zum nächtlichen Standardprogramm der Dritten Programme, meist in Verbindung mit einem seiner Spielfilme. Für einen Regisseur, der praktisch ausschließlich B-Filme gedreht hat, bevor er sich in den Sechziger Jahren aufs Fernsehen verlegte, erreichte Jack Arnold einen beachtlichen Bekanntheitsgrad. Sein Name wurde praktisch zum Synonym für eine bestimmte Art des Fünfziger-Jahre- SciFi-Horror-Films. Zu Arnolds Klassikern gehören “Tarantula”, “The Incredible Shrinking Man”, “Creature from the Black Lagoon” und “It came from Outer Space”, damit deckte er praktisch die ganze Bandbreite dessen ab, was in den Fünfzigern üblich war: Invasionen aus dem All, die Konfrontation mit außerirdischen Lebensformen die dem Mensch überlegen sind, die Rache der Natur für die anmaßenden Eingriffe des Menschen, die Gefahren der Radioaktivität. Der Grund für Arnolds anhaltende Popularität liegt wohl in der Verbindung von naivem zeittypischen Kreischverhalten blonder Frauen, die beim Anblick einer Tarantel spontan das Bewusstsein verlieren, und einem nicht ganz so naiven, ernsthaften Interesse an seinen Sujets. Seine Filme sind mitunter albern, aber sie geraten nie zur Posse. Stattdessen weisen sie alle ein moralisches Anliegen auf, das - wie halbgar auch immer geraten - sie weit über das Niveau des üblichen Popcorn-Kinos der Ära heraushebt. Der Grundton ist meistens eher melancholisch und ruhig als hysterisch und exploitativ. Häufig sind sie in den Grenzregionen der Zivilisation angesiedelt - z.B. in der kalifornischen Wüste, in den Everglades oder am Amazonas - was sie prädestiniert für eine Reflektion über die wechselseitige Beziehung zwischen Zivilisation und Wildnis/Natur. Meistens waren es allerdings schlicht finanzielle Gründe, die eine Verlegung der Handlung z.B. in die Wüste verlangten.
Aus heutiger Sicht ist die Überfrachtung der Filme Arnolds mit relativ schlichten moralischen Botschaften ihr größter Schwachpunkt, das wird besonders bei den in der Nachfolge von “Creature from the Black Lagoon” (“Schrecken vom Amazonas”) gedrehten Ausflügen in die Wildnis deutlich. So albern und absurd-hysterisch viele SciFi-Epen der Fünfziger heute scheinen mögen, so sind sie doch meist erträglicher als die mitunter etwas dröge und altbacken wirkenden Moralschleudern der gleichen Zeit. Jack Arnold bewegt sich meistens irgendwo im Mittelfeld zwischen diesen Extremen, mit gelegentlichen Ausrutschern in die eine oder andere Kategorie.
“The Creature from the Black Lagoon” (“Der Schrecken vom Amazonas”) wurde erstmals 1954 auf die Zuschauer losgelassen, und damit es im Kino so richtig krachte, lief der Film auch noch in 3D - ein Vergnügen, das die spätgeborenen immerhin gelegentlich noch auf ausgewählten Filmfestivals nachempfinden dürfen (Fantasy Filmfest Berlin Anfang der 90er, die Brille habe ich heute noch ….). Der Film um den Fischmann wurde zu einem der größten Erfolge Arnolds und ist wie die meisten seiner Klassiker längst von Universal auf DVD veröffentlicht worden. Offenbar hatte man bei Universal dagegen keinerlei Interesse daran, auch die in Folge entstandenen Filme “Die Rache des Ungeheuers” und “Das Ungeheuer ist unter uns” auf DVD zu verewigen, und so war es an dem mir mittlerweile arg ans Herz gewachsenen Label Koch Media, die DVD-Umsetzung für den deutschen Markt zu besorgen. Und die Kochs haben, das versteht sich mittlerweile beinahe von selbst, gute Arbeit geleistet.
Die “Jack Arnold Monster Collection” umfasst zwei direkte Fortsetzungen vom “Schrecken vom Amazonas”, sowie eine thematisch verwandten Film, “Der Schrecken schleicht durch die Nacht”.
Die Bildqualität ist bei allen Filmen gut bis sehr gut, gleiches gilt für den Ton, der im Original (allerdings ohne Untertitel) und der zeitgenössischen (gottseidank!) Synchronisation vorliegt. Einige aus den damaligen Kinofassungen entfernte, nicht synchronisierte Szenen sind hier mit Untertitel ausgestattet. Über eine korrekte Wiedergabe von Fünfziger Jahre Filmformaten gibt es mittlerweile wissenschaftliche Abhandlungen und Gelehrtenstreits, mir jedenfalls scheint das Seitenverhältnis in allen drei Fällen korrekt wiedergegeben zu sein.
Das Ganze kommt in einer schönen und erstaunlich stabilen Box, in der drei DigiPaks stecken. Klappt man die DigiPaks auf, erhält man jeweils das deutsche Kinoplakat zum Film. Booklets gibt’s seltsamerweise keine, das ist aber auch das einzige Manko der Box. Man vergleiche die Gestaltung der Jack-Arnold-Box übrigens mal mit vergleichbaren Produkten direkt aus dem Hause Universal (etwa die missratene Verpackung der Universal-Monsters-Serie) - da waren echte Liebhaber am Werk! Die beiden Fortsetzungen vom “Schrecken vom Amazonas” sind mit Audio-Kommentaren der Filmhistoriker Tom Weaver und Bob Burns ausgestattet, bei “Die Rache des Ungeheuers” ist außerdem die Hauptdarstellerin Lori Nelon mit von der Partie. Die Kommentare sind unterhaltsam und informativ geraten, genau so soll es sein. Der dritte Film bietet keinen Kommentar, dafür gibt’s ein 15-Minuten-Segment aus der mittlerweile legendären Serie “Jack Arnold erzählt” - hoffentlich taucht irgendwann noch mehr davon aus der Versenkung auf!
Für historisch ganz beflissene gibt’s noch eine Super-8-Fassung, die den Plot eines Films auf 5 Minuten zusammenkürzt - daran sollten sich heutige Filmemacher mal eine Scheibe abscheiden…
Zu den einzelnen Filmen:
“Die Rache des Ungeheuers” (“Revenge of the Creature”) von 1955 setzt den Erstling nicht nur fort, bisweilen kopiert Arnold sich hier selbst. Wieder macht sich ein Team auf den Weg, die Kreatur zu finden. Dieses Mal gelingt es dem Team, das Wesen einzufangen und in ein Aquarium zu verfrachten, sowohl zum Wohle der Wissenschaft, die es so studieren soll, als auch zur Freude der örtlichen Jugend, denn das Aquarium ist Teil eines Unterhaltungsparks. Wer hier an King Kong denkt, liegt genau richtig, denn natürlich ist das Thema das Herausreißen einer Kreatur und ihr würdeloses Zurschaustellen vor einem sensationslüsternen zahlenden Publikum. Wie im Vorgängerfilm gibt es auch hier eine blonde Wissenschaftlerin, die das Interesse des Monsters auf sich zieht, während sie eifrig mit einem Kollegen anbandelt. Für Horrorfilm und SciFi absolut genretypisch erscheint das Monster/Zwischenwesen auch hier als unnatürlicher Konkurrent zum Mann um die Gunst der Frau beziehungsweise um die Macht über die Frau. Leider gerät die Nebenhandlung um das Geturtel von uninteressanten Charakteren etwas aus dem Ruder - will sagen, es gerät zunehmend in den Focus des Films, und das tut ihm nicht wirklich gut. Immerhin verkneift es sich Arnold, seine Figur zu sehr zu dämonisieren - in die menschliche Zivilisation verpflanzt erscheint sie eher hilflos als bedrohlich. “Die Rache des Ungeheuers” bietet wenig neues, aber dafür gibt’s wieder schöne Unterwasseraufnahmen, und man kann sogar erkennen, wie ständig Luftblasen aus dem Fischmannkostüm entweichen, was einiges über die gute Bildqualität aussagt.
“Das Ungeheuer ist unter uns” (“The Creature walks among us”) von 1956 muss die zuständigen Projektplaner von Koch vor ein ernsthaftes Problem gestellt haben: einerseits handelt es sich um die zweite und letzte Fortsetzung, doch leider stammt sie nicht von Jack Arnold! Offensichtlich ist man bei Koch nicht besonders pedantisch, und so hat man den Film dennoch in die Box aufgenommen und von einer Umbenennung der Edition abgesehen - die Marketing-Abteilung wird das vermutlich dankbar zur Kenntnis genommen haben.
John Sherwood übernahm hier die Regie, es war einer von nur drei Filmen, die er als Regisseur verwirklichen konnte. Dabei kann sich der Film durchaus in der Serie behaupten, er ist immerhin interessanter, atmosphärisch dichter und temporeicher als sein Vorgänger. Auch die Unterwasseraufnahmen können dem “Original” in jeder Hinsicht sozusagen das Wasser reichen (Verzeihung…).
Auch hier wird wieder Jagd gemacht auf das Zwitterwesen, diesmal geht die Reise in die Everglades. Auch bei dieser Expedition ist natürlich ein Teammitglied blond und weiblich - gab’s die eigentlich in jedem Labor der Fünfziger? - und darf seinen eingeschränkten Menschenverstand durch wahlloses Erschießen von Haien unter Beweis stellen. Glücklicherweise gibt’s Männer, die einen derartig entfesselten weiblichen Aktionsdrang in die Schranken weisen und der Frau eine viel angemessenere Rolle zuweisen - die des Sexobjekts. Den anschließenden Tauchgang bringt sie - natürlich durch ihren mangelnden Sachverstand - zum vorzeitigen Ende, aber zuvor kommen wir noch in den Genuss einiger wunderbarer Aufnahmen unter Wasser.
Den Männern gelingt es recht schnell, das Wesen ausfindig zu machen und einzufangen. Beim Fang geht es allerdings versehentlich in Flammen auf, überlebt aber knapp. Schließlich liegt es Bandagiert auf dem Labortisch, und die Wissenschaftler entdecken zu ihrer Überraschung, dass der Kiemenmann keineswegs erstickt. Als sie die verbrannten Hautschichten entfernen, finden sie darunter eine zweite, fast menschliche Haut. Das Wesen ist also dem Menschen noch näher als vermutet. So stellt sich unweigerlich - zumindest für einen Fünfziger SciFi vom Typus Arnold unweigerlich - die Frage nach der moralischen Dimension. Ist das Wesen ein Tier und somit frei von Schuld und Verantwortung, oder eher einem Menschen ähnlich und somit fähig, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und zu wählen?
Hier beginnt der bis dahin vorzügliche Film leider, allmählich umzukippen. Während die Kreatur zunehmend zur Nebenfigur wird, die das Geschehen vermutlich moralisch entrüstet beobachtet, entfaltet sich eine Ehetragödie, wie man sie eigentlich in einen SciFi-Film nicht wirklich sehen möchte, und schon gar nicht im Mittelpunkt. Immerhin sind die Dialoge mit Bedacht geschrieben, was die Ehekrise durchaus anrührend macht, doch da war doch etwas anderes - ach ja, dieses Wesen aus dem Wasser! Es steht derweil im Käfig herum und beobachtet eine Raubkatze dabei, wie sie ein Schaf reißt. Das kann ein moralisch befähigtes Wesen nicht gut heißen, und so killt die Kreatur kurzerhand die Katze. Der eifersüchtige Ehemann scheint ähnliches mit seiner Gattin zu planen, würde ihn nicht der Fischmann vorzeitig ebenfalls entsorgen. Verstört angesichts der zu Lande waltenden Grausamkeit nimmt das Wesen Reißaus und kehrt zurück ins Meer - obwohl der Kontakt zum Menschen ihn von seinem Element längst entfremdet hat (seine Kiemen arbeiten nicht mehr), und dies seinen sicheren Tod bedeutet. Diese Geschichte der moralischen Erziehung/Desillusionierung eines Halbwesens erinnert mehr als deutlich an die Frankenstein-Figur.
Der dritte und schwächste Film im Trio stammt wieder aus der Hand von Jack Arnold: “Der Schrecken schleicht durch die Nacht” (“Monster on the Campus”) von 1958 ist die Geschichte von einem Wissenschaftler, der sich beim Kontakt mit einem prähistorischen Fisch verletzt und infiziert. Für kurze Zeit entwickelt er sich zurück in ein früheres Stadium der Evolution, er wird zum Neandertaler (oder das, was die Maskenbildner von Universal in den Fünfzigern dafür hielten…). Daneben gibt’s eine Riesenlibelle an deutlich sichtbaren Fäden und einen Schäferhund mit Plastikzähnen zu bewundern, bis es schließlich auch dem Wissenschaftler zu dämmern beginnt, wer für die begangenen Morde verantwortlich ist. Am Ende stellt er sich seiner Verantwortung, verwandelt sich ein letztes Mal und wird erschossen. Eine blonde Frau ist auch dabei, nur ist sie diesmal keine Wissenschaftlerin. Natürlich mischt Arnold hier eine gründliche Portion Jekyll & Hyde unter den Plot, und immerhin gelingt es ihm, den Focus durchweg auf die fantastische Geschichte zu richten. Dennoch ist “Der Schrecken schleicht durch die Nacht” einer seiner uninteressantesten Filme, und sicherlich der trashigste. Vielleicht liegt es daran, dass die Natur hier nur in Form von wenig überzeugenden Tiermodellen auftritt. Gerade das Setting in einer erkennbar echten und atmosphärisch dicht eingefangenen, latent bedrohlichen Naturlandschaft verleiht den besseren Arnold-Filmen ihren Reiz, darin liegt ihre Stärke.
Für Neulinge ist die Jack-Arnold-Box vielleicht nicht der optimale Einstieg, diesen seien eher die bekannteren Filme wie “Tarantula”, “Gefahr aus dem Weltall” oder “Schrecken vom Amazonas” empfohlen. Fans werden dagegen ihre Freude haben an der liebevoll gemachten Edition, auch wenn sie eher Filme der zweiten Garnitur bietet. Ewige Nörgler beklagen bereits lauthals das Fehlen von “The Monolith Monsters” von Sherwood in der Box, doch manchen kann man’s halt nie Recht machen.
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Am 13. Dezember 2007 um 10:24 Uhr
Hi Karsten, ich nörgle mal fröhlich mit. The Monolith Monsters gehört aber so dringend in einer schönen DVD-Veröffentlichung auf den Markt.
Am 13. Dezember 2007 um 11:31 Uhr
Ich nehme mal an, das die Rechte zu “Das Geheimnis des steinernen Monsters” noch bei Universal liegen, die hatten den Film zumindestens in der The Classic Sci-fi Ultimate Collection bei den Amis veröffentlicht. Weiterhin sind “Tarantula”, “The Mole People”, “The Incredible Shrinking Man” und “Monster on the Campus” in der Box enthalten, die es bei amazon.com leider nur noch für teures Geld im Marketplace gibt.
Am 13. Dezember 2007 um 12:48 Uhr
Japp, das ist ja das blöde dran, dass er in Amerika leider auch nicht einzeln erhältlich ist (zumindest meine letzte Info) und Incredible hab ick schon auf der silbernen Glücksscheibe, bei Tarantula reicht mir die alte VHS und The Mole People soll ja nicht so dolle sein, also lohnt der teure Preis nicht mehr.
Als Kind war ick jedenfalls hin und weg von diesem Film, vor allem wenn die Monolithen aus der Erde krachten. Gab es auch immer in der Reihe: “Mumien, Monstren, Mutationen”
Am 14. Dezember 2007 um 12:08 Uhr
Als Kind hab ich keine Jack Arnold Filme gesehen, dafür aber “Der Amphibienmensch”.
Bei den Amis gibts davon eine DVD, die sogar deutsche Untertitel hat - leider recht teuer *seufz*.