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Sebastian Caine (Kevin Bacon), seines Zeichens ein genialer und ehrgeiziger Wissenschaftler mit Hang zum Größenwahn, hat gemeinsam mit seinem Team fürs Pentagon eine Substanz entwickelt, die es vermag, Lebewesen unsichtbar zu machen. In einem geheimen unterirdischen Labor wird die Substanz anfänglich nur an Hunden und Affen getestet, doch Sebastian will mehr, daher stellt er sich selbst als Versuchsobjekt zur Verfügung. Sein Team ist anfänglich nicht sonderlich begeistert davon, das Serum in dieser noch recht jungen Entwicklungsphase schon am Menschen zu testen, doch als Projektleiter hat Sebastian das Sagen.
Berauscht von seiner Entdeckung, ignoriert Sebastian alle Risiken und startet den gefährlichen Selbstversuch, der schließlich auch gelingt. Vor den Augen der Kollegen löst sich sein Körper langsam auf und er wird schließlich unsichtbar. Was anfänglich als dreitägige Testphase geplant war, entpuppt sich schnell als Alptraum, sowohl für Sebastian als auch für sein Team. Denn die Re-Materialisierung seines Körpers schlägt fehl und er bleibt unsichtbar. Je länger dieser Zustand andauert desto aggressiver wird Sebastian.
Während seine beiden Kollegen Linda McKay (Elisabeth Shue) und Matthew Kensington (Josh Brolin) fieberhaft an einem neuen Serum für Sebastians Umwandlung forschen, findet dieser langsam Gefallen an seiner momentanen Situation. Waren es am Anfang noch kleinere Späße gegen die Kollegen, wird Sebastian immer unberechenbarer und sieht in seinen Mitarbeitern langsam aber sicher eine unmittelbare Bedrohung für sein Leben, die er bekämpfen muss…
Die Idee von der Unsichtbarkeit beschäftigt die Menschen schon seit einigen Jahrhunderten. So behauptet zum Beispiel Platon im Buch “Der Staat (Politeia)”, dass der Mensch nicht aufgrund einer Moral anständig und gerecht sei; er gehorche vielmehr den Zwängen der Gesellschaft. Beseitige man diese - etwa indem ein Mensch unsichtbar wird -, dann könne diese Person zum Beispiel alles stehlen, in jedes Haus eindringen, Frauen vergewaltigen, Menschen töten und sich im Grunde wie ein Gott aufführen.
Zum Thema Unsichtbarkeit gibt es auch zahlreiche Filme, einer der ersten Filme dieser Thematik ist der amerikanische Horrorfilm “Der Unsichtbare” aus dem Jahre 1933 von Regisseur James Whale. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von H.G. Wells. Darin geht es um einen Wissenschaftler, der mit einer verbotene Droge herumexperimentiert hat. Paul Verhoeven´s “Hollow Man - Unsichtbare Gefahr” basiert lose auf H.G. Wells´ Roman.
Die Idee zu diesem Film hatte der Produzent Douglas Wick, der 1989 schon mit dem Gedanken spielte, einen Film über Unsichtbarkeit und die möglichen Folgen zu machen. Alles was ihm noch fehlte war eine spannende Story. Die lieferte ihm die beiden Autoren Gary Scott Thompson und Andrew W. Marlowe, letzterer schrieb dann auch das endgültige Drehbuch zum Film. Thompson hatte zuvor unter anderem das Drehbuch zu Tony Maylam´s düsteren Sci-fi-Horror-Streifen “Split Second” (1992) geschrieben. Marlowe lieferte mit seinem Drehbuch zum dem Film “Air Force One” (1997) einen kleinen Achtungserfolg ab und schrieb 1999 auch noch das Script zu Peter Hyams´ Thriller “End of Days” mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle.
Paul Verhoeven, der seit seinem Umzug nach Hollywood zuvor schon mit “RoboCop” (1987), “Total Recall” (1990) und “Starship Troopers” (1997) Filme mit aufwendigen Special-Effekts bravourös umgesetzt hatte, war für den Produzenten Douglas Wick der Richtige für den Part des Regisseurs. Denn für Wick war es wichtig einen Regisseur zu finden, dem es gelingen würde, die Effekte nahtlos in das Drama der Geschichte einzufügen und dafür ist Verhoeven ja bekannt.
Gedreht wurde die 95 Mio. $ Produktion “Hollow Man” in den Sony Pictures Studios in Culver City. In Sonys historischer Stage 15, die mit 120 Meter Länge, 55 Meter Breite und einer Höhe von 15 Meter lange Zeit als größte Studiohalle der Welt galt, fand man einen idealen Platz. Für das tolle Produktionsdesign war Verhoeven´s langjähriger Ausstatter Allan Cameron - mit dem er unter anderem auch schon in “Starship Troopers” (1997) zusammengearbeitet hatte - verantwortlich.
In Jost Vacano fand Verhoeven einen weiteren alten Bekannten. Mit dem aus Osnabrück stammenden Kameramann hatte er erstmals 1977 bei seinem Kriegs-Drama “Soldaat van Oranje” (“Der Soldat von Oranien”) zusammengearbeitet und fünf weitere Filme folgten schließlich noch. Vacano hatte in den 80ern auch die Kameraarbeit in Wolfgang Petersens “Das Boot” (1981 / 1985) und “Die unendliche Geschichte” (1984) übernommen - für das U-Boot-Drama wurde er 1983 für den Oscar nominiert.
Bei den Effekten wurde nicht gekleckert, sondern mächtig geklotzt. Zwei Drittel der rund 560 visuellen Effekte entstanden bei der Firma Sony ImageWorks und für den Rest waren die Tippett Studios verantwortlich. Mit deren Chef, Phil Tippett, arbeitete Verhoeven schon bei “RoboCop” und bei “Starship Troopers” eng zusammen.
Die erste Kategorie von Effekte, die bei “Hollow Man” zum Einsatz kam, nennt man Bio-Phase Shifting. Dabei werden die Lebewesen regelrecht aufgelöst. Damit konnte man dem Publikum visuell am besten zeigen, wie die Gorilla-Dame Isabelle und Sebastian Caine im Film unsichtbar, bzw. wieder sichtbar gemacht wurden.
Die zweite Kategorie von Effekten war schwieriger als anfangs angenommen. Sebastian Caine als Unsichtbarer musste für den Zuschauer wieder ´sichtbar´ gemacht werden, denn seine Haut und alles in seinem Körper sind im Film unsichtbar und nur sein Kopf und seine Hände sind durch das Latexfutteral erkennbar, das er nach einiger Zeit trägt. Um dies perfekt darstellen zu können verbrachte Sebastian Caine Darsteller Kevin Bacon die meiste Zeit der Dreharbeiten bedeckt mit grüner, blauer oder schwarzer Farbe, wobei er auch entsprechende Kontaktlinsen, Perücken und falsche Zähne sowie einen hautengen Bodysuit trug. Später konnten ihn die Techniker dadurch komplett aus den gedrehten Szenen entfernen.
Der Lohn für die tollen Special-Effects war der Saturn Award von der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films und eine Nominierung bei den Academy Awards 2001 - gewonnen hatte damals in dieser Kategorie allerdings Ridley Scott´s “Gladiator”.
In Kevin Bacon fand man den perfekten Darsteller für die Hauptrolle des Wissenschaftlers Sebastian Cain, obwohl man auch Guy Pearce und Edward Norton für diese Rolle in Erwägung gezogen hatte. Bacon, der ins seiner Anfangszeit unter anderem eine Nebenrolle im Horrorfilm “Freitag, der 13.” (1980) spielte, ist meiner Meinung nach einer der vielseitigsten und besten Darsteller in Hollywood.
An seiner Seite agieren unter anderem noch Elisabeth Shue, die ihr Debüt 1984 im Film “Karate Kid” gab und Josh Brolin, der 1985 in Steven Spielbergs “Die Goonies” seine erste Rolle spielte.
Der tolle und stimmige Soundtrack stammt von dem amerikanischen Komponisten Jerry Goldsmith, der mit John Williams und Bernard Herrmann als eine der bestimmenden Figuren der amerikanischen Filmmusik von den späten 1960er Jahren bis heute galt. Er komponierte unter anderem für Ridley Scott´s “Alien” (1979), “Rambo 1-3″ (1982 / 85 / 88) und Verhoeven´s “Basic Instinct” (1992) den Soundtrack. Er verstarb leider im Juli 2004 an einem Krebsleiden.
Im Übrigen war “Hollow Man” bis dato auch der erste Hollywood-Film von Paul Verhoeven, der von der amerikanischen Zensurbehörde MPAA gleich in der ersten Instanz ein R-Rating erhielt. Sowohl “RoboCop”, “Total Recall”, “Basic Instinct”, “Showgirls” und “Starship Troopers” bekamen damals zunächst ein X bzw. NC-17-Rating, von denen letztendlich alle außer “Showgirls” erst nach einem Re-Cut ein R-Rating erhielten.
“Hollow Man” startete im August 2000 in den amerikanischen Kinos und lief ab dem 12. Oktober 2000 auch in den deutschen Kinos. Ich hatte den Film eine Woche später im UCI-Kino in den Berliner Gropiuspassagen gesehen, wenn ich mich richtig erinnere waren damals nur eine Handvoll anderer Zuschauer im Saal anwesend.
Da mir der Film damals - wie auch heute noch - sehr gefiel, besorgte ich mir für teures Geld gleich Anfang 2001 die US-DVD. Zu jener Zeit war es noch recht schwer an Code-1-DVDs ohne Kreditkarte zu kommen. Die deutsche DVD erschien dann im Mai oder Juni 2001 und war von den Extras her identisch mit der US-DVD von Columbia TriStar.
Sony Pictures Home Entertainment veröffentlichte am 16. Oktober 2007 zuerst in den USA und dann am 6. Dezember 2007 auch in Deutschland den Director´s Cut zu “Hollow Man” auf. Der Unterschied zwischen der Kinofassung und dem Director´s Cut sind rund sechs Minuten mehr Szenen, die sich aber nach näherer Betrachtung als eher unwichtig entpuppen. Einige der Szenen waren schon bei den Deleted Scenes auf der ersten DVD zu sehen. Wer sich einen genauen Schnittbericht dazu ansehen will, der sollte mal bei schnittberichte.com vorbeischauen, dort ist das ganze schön bebildert und beschrieben worden.
Leider - aus welchen Gründen auch immer - hatte man auf der Director´s Cut DVD auf einige der Extras der Erstveröffentlichung verzichtet. So sucht man zum Beispiel die beiden Audio-Kommentare von Paul Verhoeven, Kevin Bacon, Andrew Marlowe und Jerry Goldsmith vergebens. Die drei Deleted Scenes erübrigen sich, da diese Szenen nun im Director´s Cut zu sehen sind.
Als einzige Extras gibt’s auf der neuen DVD die schon bekannten Featurettes “Hollow Man - Anatomy of a Thriller” (ca. 15 Minuten), “Fleshing out the Hollow Man” (ca. 41 Minuten) und die “VFX Picture Comparison” (ca. 4,5 Minuten) zu sehen - nicht einmal einen Trailer - sehr schade!
Auch wenn der Film von einigen Kritikern verrissen wurde, man warf ihm eine oberflächliche Handlung und fehlender Tiefe der Figuren vor, war “Hollow Man” Verhoeven´s erfolgreichster Film seit “Basic Instinct”. Der Film spielte in den USA 73 Mio. Dollar ein und 180 Mio. Dollar weltweit.
Ich finde den Film damals wie auch heute immer noch ziemlich gut und kann die Kritiker - wie so oft - in ihrer Meinung nicht verstehen. Die Story um die Unsichtbarkeit ist schon immer recht interessant gewesen, denn wer hat es sich nicht schon einmal gewünscht wenigstens für einige Zeit unsichtbar zu sein? Und das ganze Thema wurde in “Hollow Man” tricktechnisch einfach hervorragend umgesetzt, selbst heute, knapp sieben Jahre später, sind die Effekte noch Up-to-Date und wirken in keinster Weise altbacken. Die Darsteller sind durch die Bank weg perfekt, allen voran natürlich Kevin Bacon, dessen Filme ich von Anfang an sehr gerne sehe und der mich letztens in James Wan´s “Death Sentence” erst wieder richtig begeistern konnte.
Ob man diesen Director´s Cut jetzt unbedingt haben muss, sollte jeder selbst entscheiden. Der Film verändert sich durch die zusätzlichen Szenen nicht sonderlich und neue Extras gibt es hier auch nicht zu sehen. Ich finde es jedenfalls sehr schade, dass man hier auf den Audio-Kommentar verzichtet hat. Ich bin mir sicher dass Paul Verhoeven in den letzten Jahren auf jeden Fall für sowas Zeit gehabt hätte. Außerdem hätte man auch beide Versionen (Kino-Fassung + Director´s Cut) auf die DVD pressen können. Es wäre sicher nicht die erste DVD gewesen, bei der man zwischen zwei Schnittfassungen hätte wählen können.
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