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Auch im Jahre 1957 warten noch jede Menge Abenteuer auf Indy: nachdem er von einem seiner engsten Freunde verraten wurde und so mitten in einer verdeckten Operation der Sowjets auf amerikanischem Boden landet, gerät der einstige Nationalheld ins Visier des FBI - das dafür sorgt, dass Indy von der Uni suspendiert wird. Auf zu neuen Ufern heißt es jetzt für den alten Haudegen, doch zuvor wird er von dem jungen Hitzkopf Mutt abgefangen. Dessen Ziehvater Professor Ox - ein ehemaliger Kollege von Jones - ist im Amazonas auf der Suche nach dem sagenumwobenen El Dorado entführt worden. Gemeinsam machen sich beide auf den Weg in den Dschungel - doch dort warten nicht nur schon die Sowjets, sondern auch andere “böse” Überraschungen auf Indiana Jones…
Kann der vierte Teil der Indiana Jones Saga an die legendären Vorgänger anschließen? Eine Frage, die wohl jedem Fan während der langen Wartezeit auf “Das Königreich des Kristallschädels” durch den Kopf gegangen ist. Nachdem das Projekt jahrelang immer wieder aufgeschoben wurde, kamen nicht zuletzt auch Zweifel über die Fitness von Leading Man Harrison Ford auf. 2008 war es dann endlich soweit, und Steven Spielbergs Blockbuster räumte an den Kinokassen ordentlich ab - die Reaktionen waren nichtsdestotrotz gerade auch bei älteren Fans gemischt. Die Frage ist aber: Inwiefern kann man hier überhaupt halbwegs objektiv bewerten? Schließlich waren für viele von uns Filme wie “Jäger des verlorenen Schatzes” Highlights der Kindheit und Jugend, die uns mit Witz und Exotik bezauberten und in eine fantastische, atmosphärisch unheimlich dichte Welt entführten. Ob es nun der Erstling ist, Harrison Fords Ausflug in den “Tempel des Todes” (der von der ganzen Reihe die stärksten Horrorelemente aufweist) oder der grandiose Zusammenschluss mit Altmeister Sean Connery zum vorläufigen Finale “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” (wo der Schwerpunkt dann wieder mehr auf Humor gelegt wurde) - alle drei Filme haben eine gewaltige Portion Charme und sind auch noch nach zwei Jahrzehnten Blockbuster Meilenstein, die von der meist seelenlosen Stangenware im Mainstream von heute meilenweit entfernt sind.
Und man darf sagen - auch Spielbergs neuster Streich hebt sich dank feiner Nuancen wohltuend aus dem Einheitsbrei heraus! Sicher - die Klasse der alten Filme wird nur selten erreicht. Man ziehe hierzu beispielsweise die grandiose Eröffnungssequenz von “Im Tempel des Todes” zum Vergleich heran, in der der vergiftet Held in einem Restaurant in wenigen Minuten ein Gegenmittel finden muss - eine köstliche Szene voller Action und Witz. Anders als in den Vorgängern gibt es in “Das Königreich des Kristallschädels” solche Momente nicht mehr am laufenden Band. In der Musikbranche würde man es so ausdrücken: “Es mangelt an der Hitdichte der alten Alben - insgesamt liegt jedoch ein gutes Neuwerk vor.” Die treffsicheren Gags und atemberaubenden Actionszenen gibt es nämlich immer noch - nur setzt man bei letzterem halt doch mehr auf dicke Effekte als auf Eleganz. Dafür bekommt der Zuschauer aber ein überwältigendes Actionspektakel vorgesetzt, dass ohne Umschweife eine Explosion und haarsträubende Verfolgungsjagd an die nächste reiht. Gleich zu Anfang wird die Fläche eines kleinen Bundeslandes in die Luft gesprengt - und dieses Niveau hält der Film dann auch. Ganz essentiell ist jedoch: Steven Spielberg verlässt sich nicht allein auf Effekte aus der CGI Retorte. Stattdessen gibt es zumindest in den ersten zwei Dritteln des Films angenehm viele handgemachte Kampfszenen, die das Herz eines jeden Anhänger der alten Schule hochschlagen lassen wird.
Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Harrison Ford hier einmal mehr in absoluter Topform ist. Wie schon Sylvester Stallone in “John Rambo” beweist Ford im vierten Filmauftritt seiner Paraderolle, dass die alte Garde es einfach noch am besten drauf hat - klasse, wie der inzwischen 66 Jahre (!) alte Schauspieler mit viel Charme, vollem Körpereinsatz, einem unheimlichen Gespür für Humor und - ganz wichtig - einem Schuss Selbstironie stets Dreh- und Angelpunkt des Films bleibt. Dabei ist zwar oft der Einsatz der Stuntmen überdeutlich zu erkennen - trotzdem Hut ab vor dieser Leistung! Nachdem Ford (der eine seiner ersten Rollen in “American Graffiti” von Story Writer / Executive Producer George Lucas hatte) sich zuletzt mit “Firewall” - an den sich spätestens in einigen Jahren kaum noch jemand erinnern dürfte - eher in die Nesseln gesetzt hatte, knüpft er hier wieder mit Bravour an seine Glanztage an.
Mr. Ford ist aber nicht der einzige hoch motivierte Darsteller an Bord von “Das Königreich des Kristallschädels”. John Hurt - der als erstes Opfer des “Alien” in die Filmgeschichte eingegangen ist - spielt den schrulligen Professor Ox, dass es eine wahre Freude ist. Eiskalt: Cate Blanchett als rigide Sowjet Mieze - eine mehr als würdige Nachfolgerin für die ultrafiesen Nazi Antagonisten aus den ersten drei Filmen.
Viele Fans haben ja schon im Vorfeld kritisiert, dass Ford mit Shia ´Mutt´ LaBeouf einen jungen Sidekick hat verpasst bekommen. Nun, in “Constantine” mag LaBeouf noch einen gewaltigen Nervfaktor gehabt haben (da er auch irgendwie nicht in das düstere Gesamtbild passen wollte) - seinen Auftritt an der Seite Fords aber besteht er glänzend! Mutts Mutter wird von Karen Allen gespielt. Die wiederholt hiermit ihre Rolle als Frau an der Seite des Helden aus “Jäger des verlorenen Schatzes” - und spielt den sonst so souveränen Harrison Ford locker an die Wand.
Überhaupt ist es schön, dass man immer wieder Verweise auf die alten Filme einstreut und sich so “Das Königreich des Kristallschädels” stimmig in die Reihe einordnet. Das fängt mit kleinen Details an - man sollte z.B. mal drauf achten, was bei der Verfolgungsjagd durch eine geheime Lagerhalle des Militärs so alles zu Tage gefördert wird. Auch kommen die diversen Spleens Indys wieder nicht zu kurz - bemerkenswert ist hier besonders eine Szene, in der er mit einem ganz besonderen “Seil” aus einer äußerst misslichen Lage befreit wird.
Optisch hingegen hebt man sich deutlich von den Vorgängern ab. Offensichtlich wurden Unsummen in die Post Production investiert, denn die Bilder wirken stark stilisiert - man könnte auch sagen gekünstelt. So wollte man wohl den Look der 50er reproduzieren, was Puristen freilich ein Dorn im Auge sein dürfte.
Objektiv bewerten kann man hingegen die Qualität der DVD Umsetzung. Klar, bei neueren Mainstream Filmen ist man beste Qualität gewöhnt und Paramount enttäuscht die Fans auch bei “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” nicht. Gleich in mehreren Editionen wird dieser hierzulande veröffentlicht - in einer 2-Disc Special Edition, die in der limitierten Variante in einer Sonderverpackung mit Mini-Kristallschädel daherkommt und die übliche Single-Disc-Edition.
Erfreulicherweise verfügt auch letztere über zwei Featurettes, die eine befasst sich mit “Der Rückkehr einer Legende”, während in der anderen Wissenswertes über die Vorproduktion preis gegeben wird (zusammen etwa eine halbe Stunde Laufzeit). In den Special-Edition-Sets wird natürlich noch einiges mehr geboten, Herzstück der Extra Disc ist ein 80 minütiges (!) Produktionstagebuch. Hinzukommen etliche kleiner Featurettes, Bildergalerien etc. Wer auf einen riesigen Berg an Extras fixiert ist, wird an dieser Edition nicht vorbeikommen.
Identisch sind die Versionen natürlich auf der technischen Seite. Das 2,40:1 Bild verfügt über bestmögliche Qualität - selbst wer sich die Einzelbilder am PC anschaut, wird von der perfekten Detailschärfe begeistert sein. Mehr kann man aus der DVD nicht rausholen - High End Fans können zur Blu-ray greifen (die an Extras ebenso üppig bestückt ist wie die Special Edition auf DVD - endlich beginnt man die Unsitte abzulegen, auf Blu-rays nur den Film und sonst nichts anzubieten!). Nur ein kleines Haar in der Suppe kann man dann doch ausmachen: die Titeleinblendungen zum Anfang sehen recht pixelig aus.
Das wuchtige THX-Intro macht bereits deutlich, dass der Ton ebenso hohen Standards standhält. Wuchtig und differenziert - nur Menschen mit audiophilem Gehör mögen hier etwas zu meckern haben.
Das mag so ähnlich wohl auch für den Film gelten. “Indiana Jones 4″ ist - und das steht fest - der schlechteste Teil der Reihe. Nur das Wort “schlecht” mag man hier nicht wirklich in den Mund nehmen, denn der tolle klassische Soundtrack, die handfeste Action und nicht zuletzt die Gags machen diesen Film zu einem fast schon nostalgischen Vergnügen. Schade, dass man im letzten Drittel dann auf allzu aufdringlichen CGI Einsatz nicht verzichten wollte und doch noch in Videospielästhetik abdriftet. Was dazu Aliens hier zu suchen haben - nun, das wurde schon von anderen heftig kritisiert (und persifliert). Hier bietet sich eigentlich erneut ein Vergleich aus der Musikbranche an: Der neue Indiana Jones ist wie die neue Metallica - zumindest teilweise eine Rückbesinnung auf alte Werte, nichts wirklich spektakuläres, aber doch meilenweit besser als der ganze Rest.
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