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Die Geschwister Barbra (Judith O´Dea) und Johnny (Russel Streiner) besuchen einen abgelegenen Friedhof, um dort einen Kranz auf dem Grab ihres Vaters zu legen. Johnny albert herum und scherzt über Barbras Respekt vor dem etwas unheimlichen Ort. Doch ihre intuitive Angst ist nicht unbegründet und wenig später wird sie auch von einem mysteriösen Mann angefallen. Johnny befreit Barbra, wird im anschließenden Zweikampf jedoch getötet. Der Mann lässt nicht locker und verfolgt die flüchtende Frau, die versucht mit dem Fahrzeug ihres Bruders zu flüchten. Doch die vollkommen verstörte Barbra kommt nicht weit und muss zu Fuß weiter. In der Nähe findet sie ein scheinbar verlassenes Haus, in dem sie sich versteckt. Kurze Zeit später stößt der schwarze Ben (Duane Jones) zu dem abgelegenen Haus. Er wurde ebenfalls ohne Grund verfolgt. Da sich beide nicht sicher sind, wie weit die Angreifer gehen werden, verbarrikadieren sich die beiden im Haus.
Doch die Angreifer lassen nicht locker und versuchen mit allen Mitteln in das Haus zu gelangen. Durch eine Informationssendung im Radio erfahren die beiden, dass im ganzen Land von solchen Angriffen die Rede ist. Doch woher diese Bedrohung kommt und warum diese Menschen auf andere losgehen ist vollkommen rätselhaft. Doch Ben und Barbra sind nicht die Einzigen, die in dieser Nacht Zuflucht in dem abgelegenen Haus gesucht haben. Harry (Karl Hardman) und Helen Cooper (Marilyn Eastman) haben sich mit ihrer kranken Tochter und dem jungen Pärchen Tom (Keith Wayne) und Judy (Judith Ridley) im Keller des Hauses verschanzt und gemeinsam auf Rettung gewartet. Harry und Ben geraten rasch aneinander, weil sich die Beiden nicht über ein gemeinsames Handeln einigen können. Harry möchte sich weiter im Keller verbarrikadieren und auf Rettung warten, während Ben die Flucht nach Vorne antreten und aus dem Haus flüchten möchte. Doch zu diesem Zeitpunkt haben sich bereits Dutzende Untote das Haus umstellt und versuchen mit aller Gewalt einzudringen. In den Nachrichten erfahren sie weitere, schreckliche Dinge und “die Nacht der Lebenden Toten” ist für einige im Haus schon bald gewaltsam zu Ende…
Im Jahre 1967 beschlossen zehn Freunde einen Film zu drehen. Jeder von ihnen sollte 600 $ in den Film einbringen um eine gebrauchte Kamera und Filmmaterial kaufen zu können. Da der Film natürlich auch Gewinn abwerfen sollte, beschloss man, einen Horror-Film in Schwarz/Weiss zu drehen, der später gewinnbringend an einige Kinos verkauft werden sollte. Und da jeder von ihnen bereits etwas Erfahrung in der Branche mitbrachte und so für den Film mehrere Aufgaben übernehmen konnten, begannen schon wenig später die Dreharbeiten zu einem Film, der schon wenig später zum Kultfilm wurde, das Zombie-Genre revolutionierte und zahlreiche Filmemacher maßgeblich beeinflusste und noch heute beeinflusst: “Night of the Living Dead”. Das der Film binnen kurzer Zeit zu einem der erfolgreichsten B-Movies avancierte und zum Kultfilm wurde, liegt daran, dass Regisseur und Drehbuchautor George A. Romero gemeinsam mit John A. Russo ein Drehbuch verfasste, dass genau den Nerv der Zeit und des Publikums traf. Bis zum Jahre 1968 handelten die Horror-Filme ja zumeist von prähistorischen Monstern, Vampiren, Frankensteinern oder ähnlichem, außerirdischen Bedrohungen oder wissenschaftlichen Experimenten, die ordentlich schief gegangen sind und nun die Menschheit bedrohen. Zombies gab es zwar auch schon, allerdings nur als willenlose Geschöpfe, die mittels haitianischen Voodoo-Zauber aus den Gräbern gejagt wurden. Und weil die Zeiten sowieso schlecht waren, wollte man dem zahlenden Kinozuschauer nicht auch noch mit einem schlechten Ende zusätzlich vor dem Kopf stoßen, sondern versöhnlich mittels Happy-End aus dem Kinosaal entlassen.
Ende der 60er war aber auch eine Zeit, in der die Bevölkerung der USA bzw. der ganzen Welt erkennen musste, dass man trotz politischem Engagement eigentlich den Entscheidungen der Politik bzw. des Militärs willkürlich ausgeliefert ist. Proteste wie zum Beispiel gegen den Vietnam-Krieg wurden gewaltsam niedergeschlagen, Menschenrechtler wie Martin Luther King Opfer von politischen Attentaten. Die Menschen waren zornig und nicht mehr gewillt, alles hinzunehmen. Und genau in dieser Zeit brachte eine Truppe von jungen Filmemachern einen grimmigen Horrorfilm ohne hoffnungsfroher Tendenzen, ohne Happy-End und noch dazu einem afroamerikanischen Hauptdarsteller, der zwar heldenhaft agiert, schlussendlich jedoch von einem wütenden (weißen) Mob erschossen wird, in die Kinos. Und auch wenn die ursprüngliche Intention der Filmemacher nicht unbedingt eine derart politische war, so wurde der Streifen vom Publikum als solches aufgefasst. Diese interpretierten den Film wie selbstverständlich als Allegorie auf den Vietnamkrieg und die Wut der Menschen auf die menschenverachtende Politik bzw. ihre Mittel zur Unterdrückung jeglicher Kritik.
Romeros Film spielt aber auch gekonnt mit den Urängsten der Menschheit, von einer Art Parallel-Gesellschaft unterwandert und schlussendlich bedroht zu werden. In “Night of the Living Dead” sehen sich die handelnden Personen wie aus dem Nichts einer Bedrohung ausgesetzt, wo sie weder wissen, woher sie kommt, noch wie sie ihrer Herr werden soll. Durch die Abgeschiedenheit und Isolation zur Außenwelt entsteht eine klaustrophobische Spannung und Streit. Und weil die Bedrohung durch die Untoten nicht reicht, entstehen bei den verbarrikadierten Überlebenden zusätzliche Spannungsfelder. Schlussendlich siegt die Gewalt über die Vernunft und man sieht sich nur noch im Stande mit Waffengewalt die Situation in den Griff zu bekommen. Diese Angst, mit der auch die Politik immer wieder gewalttätige Akte und Kriege rechtfertigt ist auch heute noch aktueller denn je. Sei es nun als terroristische und/oder religiöse Gefahr, die gerne von Politikern herangezogen wird.
Doch “Night of the Living Dead” war bei dem ursprünglichen Kinostart, der seltsamerweise ohne Altersfreigabe erschien, gar nicht so erfolgreich, wie man vielleicht vermuten würde. Der anerkannte Kinokritiker Roger Ebert schrieb einen kompletten Verriss über seinen Kinobesuch inmitten vollkommen verstörter Kinder. Zahlreiche andere Zeitungen überboten sich daraufhin in destruktiven Kommentaren über diesen “grauenvollen” und “geschmacklosen” Film. Doch wie so oft wirkten die negativsten Kritiken als Ansporn für den aufgeschlossenen Kinogeher den Film zu sehen. Diese fanden das ungewöhnliche Werk durchaus gut und der Streifen wurde mittels Mundpropaganda an Freunde und Bekannte weiter empfohlen. Die düstere Grundstimmung, der politische Plot und der Einsatz eines bis dato ungesehenen Härtegrades fand langsam Anklang bei einer breiteren Masse. Doch erst später fand der Streifen in Mitternachtsvorstellungen sein eigentliches Publikum und schlug ein wie eine Bombe. Der Protest gegen das Regime fand nun nicht mehr auf der Strasse statt, sondern fand durch die Solidarität mit Gleichgesinnten im Kinosaal seine friedvolle Fortsetzung. Als die zuständige Filmfirma dann auch noch vergaß, durch einen notwendig gewordenen Namenstausch die Rechte an dem Film zu verlängern, wurde der Film “Public Domain” und jeder Kinobesitzer, der in Besitz einer Kinorolle war, konnte den Film zeigen, ohne Geld an das Filmstudio abzuliefern. Und so wurde das Low-Budget-Werk zu einem der bekanntesten und wohl kommerziell erfolgreichsten “Midnight Movies”.
Mittlerweile ist der Film auch vollkommen von seinem anfänglichen Verrissen rehabilitiert, gilt als absoluter Kultklassiker, fand zahlreiche Fortsetzungen, Nachahmer und wurde mittlerweile sogar zweimal neu verfilmt. “Night of the Living Dead” wurde in die Filmsammlung des “Museum of Modern Art” aufgenommen und gilt seit 1999 als erhaltenswertes Filmgut. Romeros Streifen für Untote ist sicherlich einer der bekanntesten Horrorfilme und es wird wohl kaum jemanden geben, der den Film noch nicht gesehen hat. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten und so muss ich an dieser Stelle wohl auch die entbehrliche “30th Anniversary Fassung” kurz erwähnen. Hier wurde von ein paar Beteiligten und Darsteller neue Szenen eingespielt und wenig gefühlvoll in den Film integriert. Gut gemeint ist leider das Gegenteil von gut gemacht und daher gilt es diese Fassung mit ihren nachgedrehten Szenen und gekürzter Ursprungshandlung auch tunlichst zu vermeiden.
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| Harry Cooper (Karl Hardman) |
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Durch die FSK-16-Freigabe hatte es der Film im Gegensatz zu zahlreichen Genre-Kollegen und Nachfolgefilmen auch keine Probleme im deutschsprachigen Raum von zahlreichen Filmfirmen auf noch zahlreicheren Silberlingen veröffentlicht zu werden. Allein die OFDb.de listet unzählige VÖ´s von A wie Astro bis hin zu X bzw. X-Rated. Schön ist auch das Steelbook von NEW KSM, die den Film auch in einer in Bonbon-Farben nachkolorierten Version bringt, die mir auch sehr gut gefällt. Die neueste Attraktion aus dem Veröffentlichungszirkus stammt Anfang 2009 von meinem erklärten Lieblingslabel cmv-Laservision. Die bringen “Night of the Living Dead” in drei unterschiedlichen Varianten und unterschiedlichen Covers. Einmal gibt es die “Retro Edition” in der Glasbox, die auf 399 Stück limitiert ist und wohl jedes Sammlerherz höher schlagen lässt. Dann die Variante in der Hartbox, die ein eher unbekanntes Covermotiv bietet, sowie die Standard-Fassung in der Amaray-Verpackung. Alle drei Varianten bieten den Film ungekürzt mit etlichen Zusatzmaterial, etlichen Trailern, einem kurzen Interview mit Romero, sowie der äußerst interessanten, knapp 80 Minuten langen Dokumentation “Reflections on the Living Dead”, in der fast alle Beteiligten von damals nochmals zu Wort kommen und allerlei interessante Anekdoten zur Entstehung dieses Meisterwerkes zum besten geben.
“Die Nacht der lebenden Toten” ist unbestritten einer der ganz großen Klassiker des Genres und ein Film, der den modernen Horrorfilm um Lichtjahre nach Vorne katapultierte. Der Einfluss und Auswirkung des ungewöhnlichen Streifens auf die Filmwirtschaft kann wohl nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Ein Werk, der den Weg für nachfolgende Kultfilme wie “The Texas Chainsaw Massacre”, “Last House on the Left” und “Tanz der Teufel” ebnete und teils auch noch inspirierte. “Night of the Living Dead” vereint friedlich den Horrorfan und anspruchsvollen Zuschauer und zieht beide noch immer in seinen Bann. Denn auch 40 Jahre nach seinem Erscheinen funktioniert Romeros Werk noch verblüffend gut und steht sowieso in jeder gut sortierten Horrorsammlung. Nebenher war dieser Film in jungen Jahren auch einer meiner ersten Berührungspunkte mit dem Horrorgenre und zählt seitdem neben Herk Harveys “Carnival of Souls” und “Bis das Blut gefriert” von Robert Wise zu meinen Top 3 s/w-Gruselfilmen aller Zeiten. Und wo andere Regisseure maximal einmal der Filmgeschichte ihren Stempel aufdrücken können, hat Herr Romero mit der Fortführung seiner Geschichte in “Dawn of the Dead” das Kunststück, einen Meilenstein des Horrorfilms zu drehen, gleich nochmals wiederholt. Ganz klare 10 von 10 Punkten!
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Am 1. März 2009 um 20:11 Uhr
Sehr schöne und interessante Rezension :)!!
Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass Roger Ebert den Film inzwischen in den höchsten Tönen lobt und eigentlich auch in seiner Original Review nichts schlechtes über den Film an sich steht. In sehr vielen Büchern zum Thema wird das aber so dargestellt.