Review: Ein Kind zu töten…

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DE Ein Kind zu töten… Code 2
OT: ES ¿Quién puede matar a un niño?
AT: USA Island of the Damned AT: USA Lucifer´s Curse
AT: USA Trapped AT: UK Death is Child´s Play
AT: UK Island of Death AT: UK Would You Kill a Child?
AT: UK Who Can Kill a Child? AT: FRANZ Les Révoltés de l’an 2000
AT: ITAL ¿Ma come si può uccidere un bambino? AT: ITAL Come si può uccidere un bambino?
AT: ES Los Niños AT: PORT Os Revoltados do Ano 2000
AT: DE Tödliche Befehle aus dem All AT: FIN Kirkaisu
AT: SCH Vem kan döda ett barn? AT: Dummy Scream
AT: Dummy The Killer´s Playground      

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Genre
p Horror | Mystery
Land
p ES
Jahr
p  1976
Links
p USA Externer Link www.imdb.com
p DE Externer Link www.ofdb.de
p DE Externer Link Wikipedia
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cveidt P Autor: Ex  CVeidt

P 3. März 2009

Regie
p Narciso Ibáñez Serrador
drehbuch
p Juan José Plans (Roman “El juego de los niños”)
p Narciso Ibáñez Serrador (Drehbuch)
Musik
p Waldo de los Ríos
Kamera
p José Luis Alcaine
Schnitt
p Antonio Ramírez de Loaysa
p Juan Serra
Produktion
p Manuel Salvador (Executive Producer)
 
Darsteller
p Lewis Fiander - Tom
p Prunella Ransome - Evelyn
p Antonio Iranzo - Vater
p Miguel Narros - Küstenwache
p María Luisa Arias -
p Marisa Porcel -
p Juan Cazalilla -
p Luis Ciges - Enrique Amorós
p Antonio Canal -
p Aparicio Rivero -
p Fabián Conde - Verkäufer
p Andrès Gomez -
p Maria Druille - Kind
p Lourdes De La Camara - Kind
p Roberto Nauta - Kind
p José Luis Romero - Kind
p Javier De La Camara - Kind
 

ACHTUNG: Das Review könnte Spoiler beinhalten !!!

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Movie “¿Quién puede matar a un niño?” (“Wer könnte schon ein Kind töten?”) ist der Titel eines spanischen Horrorfilms, den das exzellente neue Label Bildstörung in Deutschland auf den Markt gebracht hat.

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Zwei englische Touristen sind auf dem Weg nach Almanzora, einer kleinen Insel vor der katalonischen Küste. Tom stammt aus einer gebildeten Schicht, ist Biologe, mit der spanischen Sprache und Kultur vertraut und weiß ebenso aus Fellini-Filmen zu zitieren. Als Mensch erscheint er besonnen, fürsorglich, eher rational und daran gewohnt die Kontrolle über Situationen zu behalten. Die Erinnerung an die ruhige, erholsame Idylle von Almanzora hat ihn dazu bewogen mit seiner Frau Evelyn noch kurz vor der Geburt ihres gemeinsamen dritten Kindes nach Spanien zu reisen, um dort in einer vertrauten ländlichen Umgebung Erholung zu finden. Evelyn wirkt hingegen etwas naiv, kindlich (in einem amüsanten Gespräch über Fellinis Movie “La dolce vita” bezeichnet sie übertrieben trotzig den Regisseur allein aufgrund seiner italienischen Herkunft als Faschisten), gefühlsbetont. Eigenschaften, die auch äußerlich markiert sind durch das lange blonde Haar, die Sommersprossen, den hellen Teint und einer ausgesprochen jugendlichen Erscheinung. Der Film führt klassische Genderpositionen, ein Durchschnittspaar vor, fernab der verstärkten Rollenumstrukturierungen und Beziehungsgefechte im Kino der 70er Jahre, von dem auch das Genrekino nicht unberührt blieb.

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Das lebhafte, spanische Küstenstädtchen Benavis wird zur Zwischenstation, in dessen engen überfüllten Straßen festlicher Trubel herrscht. Das Hotel ist ausgebucht und das Paar wird an eine Pension verwiesen. Was folgt ist touristisches Sightseeing, eine ständige Bewegung, die von den Schauwerten des Umzugs, dem Treiben der Menschen hin zum dicht belagerten Strand, dem nächtlichen Feuerwerk und den überfüllten Bars und Cafes führt. Dieses “Nicht zur Ruhe kommen” wie es Michael Schleeh sehr schön in dem gut geschriebenen und informativen Essay zur deutschen DVD beschreibt, wird zu einem zentralen Motiv in der Konzeption des Films. Die beständige Reisebewegung führt direkt ins “Herz der Finsternis”, in das seltsam verwandelte Almanzora. Bereits in der Küstenstadt sind die Zeichen des kommenden Unheils überdeutlich. Kurz vor der Ankunft der beiden Touristen werden Leichen an den Badestrand gespült, als Evelyn sich am Wasser vergnügt, scheucht das Dröhnen von Alarm-Sirenen die Badegäste auf, ohne dass der Grund für das Paar ersichtlich wäre, ein Fernseher in einem bunten und gut gefüllten Souvenirladen zeigt Bilder einer Kriegsmaschinerie und der unter der Zerstörung leidenden Kindern.

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Nach einem Tag Aufenthalt in Benavis bricht das Pärchen allein mit einem Motorboot nach Almanzora auf. Die Kinder, die das Boot in Empfang nehmen, wirken im ersten Moment noch normal, verspielt. Jede weiterführende Kommunikation wird jedoch von ihnen abgeblockt. Das kleine 200-Seelen-Dorf scheint abgesehen von ein paar wenigen Kindern wie ausgestorben. Etwas Unvorhergesehenes muss in der kleinen Gemeinde passiert sein. Die verlassenen Geschäfte wurden nicht zugesperrt, verkohltes Fleisch dreht sich in dem Grill eines kleinen Restaurants, das Eis ist direkt in den Behältern des Eiswagens geschmolzen. Eine Kamerabewegung fängt die Leiche einer jungen Frau am Fuß eines Verkaufsregals ein. Als das Telefon des Restaurants läutet und Tom den Hörer abnimmt, ist eine leise, verängstigte Stimme am anderen Ende zu hören. Nur die verzweifelten, geradezu flehenden Mundbewegungen der sprechenden Person sind in Großaufnahme zu sehen. Die Komposition dieser Elemente zeugt von einer gelungenen Spannungsdramaturgie, die den eher behutsam aufgebauten Schrecken schließlich in einer brutalen Szene kulminieren lässt. Tom und Evelyn begegnen im Dorf einem blinden alten Mann, der vor ihren Augen von einem unschuldig aussehenden kleinen Mädchen totgeprügelt wird.

Den beiden wird bald bewusst, dass die Kinder im Dorf sich gegen die Erwachsenen verschworen und ihre eigenen Väter und Mütter ermordet haben. Die Versuche zu fliehen, werden vereitelt. Die Kinder rotten sich zusammen und versperren zusammengedrängt die Ausgänge des Dorfes. Und wer wäre schon bereit ein Kind zu töten?

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Das “Herz der Finsternis” in Movie “¿Quién puede matar a un niño?” führt in kein stygisches Dunkel, sondern ist getaucht in das gleißende brennende Weiß der südlichen Sonne, der mit Kalk verputzten Dörfer der spanischen Küste, ein Weiß, das sich in den gehetzten Gesichtern, auf den ausgetrockneten Lippen der Charaktere spiegelt. Das weiße anämische Gesicht der schwangeren Evelyn verweist auf Mia Farrows Rolle in Movie “Rosemary Baby”. Deren durchlittenes Schwangerschaftstrauma taucht hier in einer besonders drastischen und eindrücklichen Sequenz wieder auf. Nicht zufällig erinnert der prägnante Kindergesang zu Beginn an Polanskis Film. Dem fiktiven Geschehen stellt Regisseur Serrador eine über 7 Minuten lange Exposition voran, bestehend aus dokumentarischem Material, die den von größeren Gemeinschaften ausgeführten Terror gegenüber Kindern thematisiert. Die präsentierten Bilder sind weltberühmt: das nackte vietnamesische Mädchen, deren Rücken vom Napalm verbrannt ist, das Gruppenbild der zwischen Stacheldrähten eingepferchten Kinder im KZ. Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben und uns auf eine besondere Weise ansprechen. Fast agitativ mit deutlich politischer Bezugnahme wird durch die anklagenden Bilder an ein “Wir-Gefühl” appelliert, für das auch das gewohnten Normen entsprechende Durchschnittspaar einsteht.

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Der Film baut ein das Verhalten der Kinder erklärendes Rachemotiv auf, einen grotesk überzeichneten Generationskonflikt. Das Motiv bleibt dennoch ohne feste Verankerung, die Beziehung zwischen Exposition und Handlungsraum wage. Der Film verweigert seinen mordenden Kindern bis auf wenige Ausnahmen den Dialog, die Sprache. In Erinnerung bleibt vor allem ihr befremdendes Lachen, sie kommunizieren suggestiv über Blicke, wobei es sich weniger um wirkliche Kommunikation handelt, als um Assimilation in die Gruppe und deren Verhaltensmuster, um das Einspeisen eines instinktiv ablaufenden Programms, dass zur Auslöschung der Erwachsenen führt. Die eigene Existenz wird wie in einem Ameisenstamm bereitwillig geopfert, sofern sie dem obersten und gänzlich funktionalen Prinzip dient. Dieses scheinbar instinktiv gesteuerte Verhalten bringt den Film in die Nähe der “Rache der Natur”-Filme, die eine biologische Katastrophe, eine übergeordnete Macht bzw. ein übergeordnetes System als Auslöser des Schreckens verorten. Das Lachen, die zur verzerrten Maske geronnene Freundlichkeit, die Unschuld auf den Gesichtern der Kinder erscheinen als gefährliche Mimikry. Ein Umstand, der es den Bearbeitern der deutschen Fassung relativ leicht machte, durch die Entfernung des Prologs, Befehle aus dem All als Ursache des Geschehens ins Feld zu führen. Auch dazu beigetragen haben, werden die etwas allzu auffälligen Anspielungen auf Movie “Das Dorf der Verdammten” sowie das damit verbundene etwas zaghaft erfolgende Herauskristallisieren eines Anführers innerhalb der Kindergruppe, welche dem Zuschauer Zusammenhänge durch dessen mitgebrachte Genrekompetenz liefern.

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Der Aufruhr der Kinder gegen die Elterngeneration war ein beliebtes Motiv im Horrorfilm der 70er Jahre. “Trau keinem über 30″ postulierte die 68er Generation. Am nachhaltigsten in die Ikonengalerie eingeschrieben hat sich die zwölfjährige Reagan aus Movie “Der Exorzist”, gegen deren Körper mit schmerzhaften, medizinischen Untersuchungen und religiösen Ritualen zu Leibe gerückt wird. Reagan spuckt Erbsensuppe und sondert ein unerschöpfliches Arsenal an obszönen Bemerkungen gegenüber Ärzten, christlichen Würdeträgern und ihrer eigenen Mutter ab. Das Vergnügen an dieser Rebellion erwächst nicht zuletzt durch die psychologische Scharfsinnigkeit, die sprachliche Pointierung mit der die trefflichen Salven gegen die Institutionen erfolgen. Die Attacken in Movie “¿Quién puede matar a un niño?” erweisen sich durchaus ähnlich pointiert in dem Maße wie sie die vertraute Wahrnehmung angreifen, sie umkehren, pervertieren. Das Unschuld und Sicherheit versprechende Bild der Kindlichkeit gerät zur Waffe oder wird mit der Lust am Abjekten neu gefüllt. Spiele wie die Piñata (eine Art Topfschlagen) werden auf grausame Weise neukonzipiert, ebenso kindliche Rituale wie das erste Entdecken von Sexualität, die Jungen, die spielerisch unter die Kleider der Mädchen sehen oder die geradezu weihevolle Zelebrierung abgeschauter erwachsener Verhaltensweisen. Viel von seiner Intensität gewinnt der Film aus der zurückgenommenen, sachlichen Darstellung und der fehlenden sprachlichen Kommentierung.

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Der Genre- und Exploitationfilm ist bekanntlich häufiger in inhaltlicher wie technischer Sicht unterschätzt worden. Auch Movie “¿Quién puede matar a un niño?” ist von einer umwerfenden inszenatorischen Eleganz. Die Belagerungsszene, in der das Paar sich in einer Gefängniszelle in der Polizeistation verbarrikadiert, ist ein kleines Meisterstück in Sachen Suspense, die ihn in die Nähe längst anerkannter Klassiker stellt. Dabei sind es nicht einzelne Elemente, die besonders herausgehoben werden, viel mehr überzeugt das Zusammenspiel der gewählten Perspektiven, der Kamerafahrten, des brillanten Timings und des effektiven Umgangs mit dem Ton. Der Film ist zudem wunderbar gespielt von Prunella Ransome und Lewis Fiander, der den eigentlich bevorzugten Anthony Hopkins ersetzte. Fiander hat vor allem fürs Fernsehen gearbeitet und ist nach dem schönen Movie “Dr. Phibes Rises Again” und dem großartigen Movie “Dr. Jekyll & Sister Hyde” (unvergessen sein pikierter Blick nach einem zärtlichen Annäherungsversuch von Ralph Bates alias Dr. Jekyll) in einem weiteren denkwürdigen Kinoauftritt zu sehen. Regisseur Serrador hat ebenfalls neben etlichen Arbeiten fürs Fernsehen noch zwei weitere Genrefilme gedreht, zum einen Movie “La Residencia”, der von Schleeh als fulminanter Gothic-Horror gepriesen wird, und der aktuelle Movie “La culpa”, der als Teil der spanischen Horrorfilm-Reihe “Películas para no dormir” inszeniert wurde.

Auch von Movie “¿Quién puede matar a un niño?” wird es ein für 2010 anvisiertes Remake geben unter dem Titel Movie “In the Playground”. Regisseur David Alcalde legt nach einigen Kurzfilmen mit dieser spanisch-mexikanischen Co-Produktion seinen ersten abendfüllenden Spielfilm vor. Trotz steigender Popularität des Films wird man auf das amerikanische Remake wohl noch ein paar Jahre warten müssen.

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Entscheidenden Anteil an der steigenden Popularität des Films in Deutschlands wird zweifellos diese exzellente DVD-Veröffentlichung haben. Das glasklare Bild ist komplett rauschfrei und weist keine nennenswerten Defekte auf. Der Nutzer hat die Wahl zwischen der spanischen, englischen und deutschen Tonspur, die auch für weniger Sprachgewandte nutzbar sind, da der Anbieter es nicht versäumt hat, deutsche Untertitel mitzuliefern. Es wird auf gelegentliche Tonspurprobleme hingewiesen, die allerdings kaum ins Gewicht fallen. Wer die jeweiligen Sprachfassungen vergleicht, wird auf Unterschiede stoßen, die in der Regel marginal erscheinen, gelegentlich den Sinnzusammenhang aber deutlich verändern. Die beiden Interviews mit Regisseur und Kameramann sind bereits von der amerikanischen Veröffentlichung von Dark Sky Films bekannt und setzen sich mit dem Entstehungskontext auseinander. Die englischen Untertitel wurden für diese Veröffentlichung ins Deutsche übersetzt. Entscheidendes Plus ist die Zugabe des experimentellen Soundtracks auf einer extra Audio-CD, die leider etwas ungünstig direkt über der DVD platziert wurde. Wer sich für die vielen Genrezitate im Film interessiert, findet in Schleehs ausführlichem Einleitungstext im Booklet eine sehr umfassende filmhistorische Verortung. Die DVD kommt in einem schönen Pappschuber, der noch einmal extra mit einem “Schutzumschlag” versehen wurde, umso vermutlich das leidige Problem mit dem neuen FSK-Sticker zu umgehen, der hier glücklicherweise nur das Cover des Umschlages ziert. Die Sammler werden es dem Label danken. Dringende Kaufempfehlung!

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P Diese DVD wurde uns freundlicherweise vom Label PicDE Bildstörung zur Verfügung gestellt! Vielen Dank!

Letztes Update: 6. März 2009 Back    Hoch

2 Kommentare zu “Review: Ein Kind zu töten…”

  1. Bildstoerung » Blog Archive » EIN KIND ZU TÖTEN… - Erste Reviews! schrieb:

    […] :IKONEN:; splashmovies.de; INTRO; ofdb; Der Tagesspiegel; Film-Maniax; F.LM; CINEMA; DVD-Heimat; Projekt Equinox […]

  2. Sillywizard schrieb:

    Das ist der unheimlichste Film den ich kenne Psychisch schlimmer (oder besser,härter wie auch immer) als “The Ring”

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