“Alles ist käuflich: die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich.” (Octave Parango)
Octave Parango (Jean Dujardin) erwacht nach einer durchsoffenen und durchkoksten Nacht in seinem schicken Apartment. Um ihn herum liegen nackte Männer und Frauen. Nach einem kurzen Blick in den Spiegel im Bad, kotzt er in die Badewanne, in dem ein nacktes Model die Nacht verbrachte.
Er arbeitet in Paris für “Ross & Witchcraft” - die beste Werbeagentur der Welt -, trägt die neuesten Anzüge - noch lange bevor sie in den Designer-Boutiquen liegen - und fährt natürlich die schicksten und angesagtesten Autos. Er entspricht nicht dem Zeitgeist - er definiert ihn. In seinem Job entscheidet er heute, was die Welt morgen kaufen wird. Octave Parango ist zynisch, erfolgreich, skrupellos und arrogant - keinesfalls ein guter Junge, wie er selbst zugibt - eher ein großes Stück Scheiße.
Nachdem er in Sophie (Vahina Giocante) seine große Liebe trifft und recht schnell wieder verliert, weil er die Verantwortung für ihr baldiges gemeinsames Kind nicht übernehmen will, gerät sein ach so tolles Leben gehörigst aus den Fugen. Octave erkennt plötzlich, dass er selbst ein Opfer des Systems ist und beginnt an sich und seiner Scheinwelt zu zweifeln. Nun will er Sophie um jeden Preis zurückerobern und auch gegen die ach so oberflächliche Welt rebellieren, indem er den Dreh seines wichtigsten Werbespot für Joghurt in Miami sabotiert…
Background
Jan Kounen´s Film “39,90″ basiert auf den gleichnamigen Bestseller “Neununddreißigneunzig” des französischen Autors Frédéric Beigbeder. Der studierte Politikwissenschaftler Beigbeder arbeitete zehn Jahre als Texter in einer Werbeagentur, die ihn nach der Veröffentlichung seines ersten Romans “Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause” vom Fleck weg engagierte.
Vom französischen Schriftsteller Michel Houellebecq wurde Beigbeder aufgefordert einen Roman über das zu schreiben, was hinter den Kulissen der Werbung vorgeht. Beigbeder arbeitete zu dieser Zeit noch bei der internationalen und renommierten Werbeagentur Young & Rubicam und war dort für Kunden wie Wonderbra, Barilla, Kenzo und auch Danone (!!!) verantwortlich. Er schrieb den Roman “Neununddreißigneunzig” mit Insiderwissen aus der Branche und in der festen Absicht von seinem Arbeitgeber gekündigt zu werden, was er letztendlich auch mit einer hohen Abfindung wurde. Der Roman brach in Frankreich sämtliche Verkaufsrekorde. In Deutschland wurde er im Rowohlt-Verlag veröffentlicht und als Hardcover- und Taschenbuch-Ausgabe 250.000 Mal verkauft.
Der Regisseur
Jan Kounen wurde zwar am 2. Mai 1964 im niederländischen Utrecht geboren, lebt aber seit frühester Kindheit in Frankreich. In seiner Jugend wollte er sogar einmal Comic-Zeichner werden und besuchte in Nizza Malerei- und Grafikkurse. Bis zu seinem Spielfilmdebüt im Jahre 1997 ( “Dobermann”) drehte er fünf Kurzfilme und mehr als 30 Werbespots.
2004 folgte mit “Blueberry und der Fluch der Dämonen” seine Verfilmung des gleichnamigen französischen Kult Comics von Jean Giraud - Comicfans eher unter dem Namen Moebius bekannt - und Jean-Michel Charlier. Die Hauptrolle in dem prominent besetzten Genre-Mix übernahm nach “Dobermann” abermals der französische Schauspieler Vincent Cassel.
Die DVD
Nachdem “39,90″ am 31. Juli 2008 im Verleih von Alamode Film in den deutschen Kinos startete, kam der Film am 5. Februar 2009 von EuroVideo und Alamode Film in die Videotheken und seit dem 19. März 2009 ist der Film auch im Handel erhältlich.
Als Extras gibt es den Audio-Kommentar mit Regisseur Jan Kounen, Hauptdarsteller Jean Dujardin und Romanautor Frédéric Beigbeder, das Making of und insgesamt 18 Deleted Scenes.
Leider stand mir für mein Review nur die Presse-DVD zur Verfügung und auf der war leider nur der Film und keine Extras enthalten, sodass ich keinerlei Angaben über die Qualität und den Umfang des Bonusmaterials machen kann.
Fazit
Um eins vorneweg klarzustellen, ich habe die gleichnamige Buchvorlage noch nicht gelesen und kann daher keine Vergleiche, Rückschlüsse etc. zwischen dieser und dem nun auf DVD vorliegenden Film ziehen und möchte dies auch nicht anhand dem, was ich bislang im Internet darüber gelesen habe.
“39,90″ hatte ich damals im Kino vollends ignoriert, weil es für mich nicht unbedingt ein Film ist, den ich im Kino sehen muss. Auf DVD ist das dann was anderes, da schau ich mir solche Sachen, die ich bewusst im Kino ignoriert habe, dann schon an. An diesem französischen Film hat mich weniger das Thema gereizt - die Welt hinter den Kulissen der Werbebranche interessiert mich persönlich rein gar nicht - mich interessiert nur das Endprodukt, also die eigentliche Werbung in Form von Anzeigen und Spots. Auch wenn Werbung schon manchmal recht nerven kann, gibt es gewisse Sachen die wirklich gut sind und anhand derer man sich beim Einkaufen doch schon ein wenig orientiert. Vielmehr hat mich der Film gereizt, weil Jan Kounen Regie geführt hatte. Von seinen 2004er Film “Blueberry und der Fluch der Dämonen” war ich zwar sehr enttäuscht, aber dafür mag ich seinen Debütfilm, den knallharten französischen Actioner “Dobermann” mit Vincent Cassel und seiner holden Ehefrau Monica Bellucci in den Hauptrollen aus dem Jahre 1997, umso mehr.
“39,90″ finde ich recht gut gemacht und auch kurzweilig geraten. Mit den zum Teil noch recht ´unverbrauchten´ Darstellern hat Regisseur Jan Kounen - der hier im Film auch die Rolle des Pyjama-Mannes spielt - ein glückliches Händchen bewiesen. Zwar wurde die Vorlage autobiografisch geschrieben und mit ordentlich Insiderwissen aus der Werbebranche garniert, aber viele Sachen beruhen ganz sicher mehr auf den Phantasien des Autors und sind daher wirklich nicht ganz so ernst zu nehmen. “39,90″ sollte man dann auch eher als grelle und laute Satire - von mir aus auch Groteske - auf die Werbeindustrie sehen.
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