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Nachdem er für die Nordstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft hat, kehrt Montgomery Brown zurück in seine Heimatstadt. Dort eröffnet sich ihm ein schreckliches Bild: viele namhafte Bürger der Stadt wurden ermordet, darunter sein Vater. Die Macht in der Stadt haben die Fuentes, eine brutale mexikanische Gangsterfamilie. Ihren Profit ziehen sie aus dem Goldschürfen, jeder Widerstand gegen sie wird kaltblütig niedergeschlagen. Montgomerys Frau wurde zu einer Beziehung mit Paco Fuentes gezwungen. Gemeinsam mit ihrer Tochter wohnen sie im Landsitz der Browns, wo sich inzwischen die Fuentes verschanzt haben. Getarnt als einfacher Peón, schleust sich Montgomery in die Stadt, um seine Familie zu retten…
Duccio Tessaris “Eine Pistole für Ringo” war ein beachtlicher Erfolg an den Kinokassen. Mit Giuliano Gemma hatte man genau den richtigen Hauptdarsteller gefunden, der in die Rolle des gewieften Ringo schlüpfen konnte. Der Film selbst hatte zwar einige ernste Züge, war aber ganz auf den schlitzohrigen Protagonisten zugeschnitten: Immer Herr der Lage trickst er alle aus und gehört natürlich trotzdem zu den “Guten”.
Da war es nur logisch, dass kurz darauf ein zweiter Film folgte. Wieder von Tessari und natürlich mit Gemma als Ringo. Auch Tessaris Frau Lorella De Luca war wieder mit an Bord, ebenso die rassige Nieves Navarro als scharfe Gangsterbraut mit Herz. Genau die gleiche Rolle hatte sie schon im ersten Ringo Film. Ihr Partner ist auch hier wieder der spanische Schauspieler Fernando Sancho. Abgerundet wurde der Cast von Italo-Star George Martin.
Stilistisch gesehen nahm man in “Ringo kommt zurück” etwas andere Wege als im Vorgänger. Rein inhaltlich erfüllt man gängige Genreklischees: Das der abgelegenen Stadt unter der Kontrolle einer scheinbar übermächtigen mexikanischen Gangsterfamilie wurde durch “Für eine Handvoll Dollar” schon mit Erfindung des Genres eingeführt. Da passt es nur zu gut, dass Fernando Sancho den Bösewicht spielt - denn wie oft hat er diese Rolle schon gespielt? Fast könnte man noch besser fragen: Wie viele Italo Western gibt es, in denen Sancho NICHT einen mexikanischen Gangster spielt?
Hier wie dort gibt es auch einen kauzigen Helfer des Heldens, der Humor ins Spiel bringt: In Leones Film einen Bestatter, in “Ringo kehrt zurück” einen abgedrehten Blumenhändler mit dicken Brillengläsern und schwarzem Anzug.
Nur einige Beispiele, die typisch Spaghetti Western sind. Doch es gibt auch außergewöhnliche Elemente, besonders was den Hauptprotagonisten betrifft. Die Figur des Ringo/Montgomery Brown hat hier wenig bis gar nichts mit der Version aus “Eine Pistole für Ringo” zu tun. Dieser Ringo hier ist nämlich ein gebrochener Mann, ein psychisches Wrack, dass im Alkohol (im ersten Film trank Ringo nur Milch) Erlösung sucht. Er trägt eine Narbe im Gesicht, das zu dem von nervösen Zuckungen entstellt wird. Blondes Haar hat er auch - bis er das und seine Haut durch Indianerkräuter braun färbt (!). Er will auch nicht unbedingt blutige Rache - vielmehr will er einfach seine Familie retten und sich gemeinsam mit ihr in Sicherheit bringen. Dementsprechend tritt er bis zum Schluss nicht als souveräner Rächer auf, sondern wirkt zuweilen unsicher und verletzlich.
Dass ein liebender Vater seine Familie befreien will, ist mal etwas Neues im Italo-Western. Ansonsten überwiegen doch zahlreichen Klischees und die leider sehr vorhersehbare Geschichte. Was “Ringo kommt zurück” beileibe zu keinem schlechten Film macht, aber auch zu keinem Genrejuwel.
Bemerkenswert wäre noch, dass das Drehbuch von “Der Teufel führt Regie”-Regisseur Fernando Di Leo geschrieben wurde und der Soundtrack von Maestro Ennio Morricone stammt. Der Score verblasst jedoch gegenüber seinen Referenzwerken deutlich.
Zusätzlich wurde die Filmmusik in der deutschen Neusynchronisation von “Ringo kommt zurück” noch durch Neueinspielungen verschandelt. Wohl um den Film noch etwas “flotter” zu machen, hat man dort typische Italo Western Musik hinzugefügt. Ein Affront, der aber dadurch gut gemacht wird, dass Christian Brückner den Ringo spricht. Niemand geringeres also als die deutsche Stimme von Robert De Niro.
Gut, dass Koch Media beide Synchros auf die neue DVD gepackt hat. Die italienische und englische Fassung noch dazu, alle in guter Qualität. Klasse auch das Bild: Breitbildformat und ordentliche Detailschärfe. Die auffällige Körnung und die leicht blassen Farben stören den Gesamteindruck nur gering.
Herzstück des Bonusmaterials - das u.a. Trailer und eine Bildergalerie umfasst - ist die fast halbstündige Dokumentation “A Western Greek Tragedy”, in der Tessaris Frau und sein Kameraassistent auf die Entstehungsgeschichte des Filmes, Cast & Crew näher eingehen.
Gute Arbeit hat Koch Media da wieder abgeliefert. Gemma Fans stellen sich das hübsche Digipack ins Regal, alle anderen sollten auch mal einen Blick riskieren!
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