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Im Jahre 1915 schuf der britische Autor Russel Thorndike die Figur des Dr. Syn - ein ehemaliger Pirat, der sich mit Intelligenz und Gerissenheit vor den Truppen des Königs zu verbergen weiß und gemeinsam mit seiner Bande Alkohol schmuggelt. Bereits 1937 erschien die erste Verfilmung des Stoffes und 1961 schließlich folgte die Hammer Version der Geschichte. Wegen rechtlicher Schwierigkeiten - gleichzeitig entstand ein Disney Film mit der gleichen Thematik - konnte man den Namen Dr. Syn nicht verwenden, ansonsten lehnte man sich jedoch stark an das Original an.
Für die Hauptrolle sicherte man sich niemand geringeren als Horrorlegende Peter Cushing, in weiteren Rollen glänzten die erfahrenen Hammer-Mimen Oliver Reed ( “Der Fluch des Siniestro”), Michael Ripper und Patrick Allen als hartnäckiger Verfolger der Schmugglerbande. Eigentlich eine Piratengeschichte, würzte man den Film mit den typischen Gruselelementen der Hammer Studios und kam beim Publikum durchaus gut damit an.
“Die Bande des Captain Clegg” beginnt atmosphärisch stark mit einer Rückblende: einem Matrosen (James Bond Schurke Milton Reid) aus der Bande des Captain Clegg wird der Angriff auf die Frau seines Herren vorgeworfen. Ohne dass sich dabei der Captain zu erkennen gibt, wird der Angeklagte dazu verurteilt, verstümmelt und hilflos ausgesetzt zu werden.
Nun blendet der Film nach England über, auf eine unheimliche, Nebel verhangene Landschaft, die von den Hammer Spezialisten mit großartigen Matte Paintings und anderen Tricks dargestellt wurde. Wir erfahren durch eine Einblendung von den Phantomen, die dort ihr Unwesen treiben sollen und werden gleich auch Zeuge eines Angriffs dieser berittenen Phantome auf einen armen Spaziergänger.
Wie diese Geschehnisse zusammenhängen, erfährt man in der folgenden Stunde des kurzen Films. Königstruppen untersuchen Schmuggleraktivitäten und stoßen dabei auf eine eingeschworene Dorfgemeinschaft und einen charismatischen Priester, dessen Rolle in diesem Spiel nicht ganz klar ist.
Leider krankt der Film zumindest aus der heutigen Betrachtungsweise an seinem behäbigen Tempo und der zahmen Inszenierung, die sich mehr auf Dialogszenen und die Handlungen der Schmugglerbande konzentriert, als auf Spannungselemente. Den Mystery / Grusel Aspekt um die Phantome beispielsweise hätte man noch stärker in die Geschichte einbauen können. Im Film wird leider sehr schnell klar, dass es sich bei den angeblichen Gespenstern natürlich um Menschen aus Fleisch und Blut handelt. Das ist an dieser Stelle eher weniger ein Spoiler, da dieser Fakt nahezu von Anfang an offensichtlich ist. Ob das damalige Publikum dies anders gesehen hat, mag bezweifelt werden. Auch wenn diverse Filmplakate dies andeuten, handelt es sich hier doch in erster Linie um einen soliden Piratenfilm, dessen Horrorelemente nur am Rande durchscheinen. Für spannenderen Momente sorgt vor allem der eben schon erwähnte Milton Reid als gemarterter Matrose - ein ehemaliger Wrestler, der entsprechend eine imposante Erscheinung abliefert.
Gegen Ende bekommt “Die Bande des Captain Clegg” dann doch noch etwas die Kurve und gewinnt an Fahrt. Lediglich die Liebesbeziehung zwischen den Figuren von Oliver Reed und Yvonne Romain wirkt etwas deplatziert und trägt nicht wirklich zum Filmvergnügen bei. So gewinnt der Film sein Potenzial vor allem aus der großartigen darstellerischen Leistung Peter Cushings, der seine Rolle auch mit viel Körpereinsatz spielt.
Fans Cushings sollten daher zur DVD von Koch Media greifen, die die weltweit wohl beste Veröffentlichung darstellt. Die Bildqualität ist großartig: tolle Detailschärfe und kräftige Farben. Lediglich ein leichtes Rauschen in den dunklen Szenen und minimale Verschmutzungen lassen das hohe Alter des Ausgangsmaterials erkennen. Der englische und deutsche Ton klingt ebenso vollkommenen in Ordnung. Bei den Extras ist man diesmal mit zwei Trailern und einer Bildergalerie zwar etwas mager ausgestattet - dafür überzeugt aber das großartige Booklet, in dem sich neben Fotos Liner Notes mit interessanten Hintergrundinfos finden. Präsentiert wird dieses Gesamtpaket in einem hübschen Schuber mit nostalgischem Covermotiv und ohne hässliches FSK-Kennzeichnen auf der Front.
Jedem mag man “Die Bande des Captain Clegg” dennoch nicht empfehlen. Hammer Enthusiasten dürften das manchmal etwas schwerfällige Tempo des Films verzeihen, gerade dem Publikum mit eher moderneren Sehgewohnheiten dürfte dieser Faktor etwas sauer aufstoßen. Besonders im Mittelteil kann man sich schon mal dabei ertappen, wie man die Minuten einzeln zählt. Ein guter, atmosphärisch inszenierter Film mit tollen Darstellern - aber nicht unbedingt ein Pflichtkauf. Immerhin scheint er heute noch einige prominente Fans zu haben: Verweise finden sich bei Rob Zombies “Halloween II” und der Doom Metal Band Cathedral.
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