Review: La bête - Die Bestie

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DE La bête - Die Bestie Code 2
OT: FRANZ La bête
AT: USA The Beast AT: USA Death´s Ecstacy
AT: Dummy O Monstro AT: BRAZ The Beast in Heat
AT: ITAL La bestia AT: ES La bestia
AT: DE Das Biest AT: PL Bestia
AT: FIN Pedon vallassa AT: FIN Peto
AT: SCH Odjuret AT: GK To ktinos

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Genre
p Horror | Fantasy | Mystery
Land
p FRANZ
Jahr
p  1975
Links
p USA Externer Link www.imdb.com
p DE Externer Link www.ofdb.de
p DE Externer Link Wikipedia
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cveidt P Autor: Ex  CVeidt

P 15. September 2009

Regie
p Walerian Borowczyk
drehbuch
p Walerian Borowczyk (Drehbuch)
Musik
p 
Kamera
p Bernard Daillencourt
p Marcel Grignon
Schnitt
p Walerian Borowczyk
Produktion
p Anatole Dauman (Executive Producer)
 
Darsteller
p Sirpa Lane - Romilda de l’Esperance
p Lisbeth Hummel - Lucy Broadhurst
p Elisabeth Kaza - Virginia Broadhurst
p Pierre Benedetti - Mathurin de l’Esperance
p Guy Tréjan - Pierre de l’Esperance
p Roland Armontel - Priester
p Marcel Dalio - Duc Rammendelo De Balo
p Robert Capia - Roberto Capia
p Pascale Rivault - Clarisse De l’Esperance
p Hassane Fall -
p Anna Baldaccini -
p Thierry Bourdon -
p Mathieu Rivollier -
p Julien Hanany -
p Marie Testanière -
p Stéphane Testanière -
p Jean Martinelli - Cardinal Joseph de Balo
 

ACHTUNG: Das Review könnte Spoiler beinhalten !!!

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Movie “La bête” eilt nun wahrlich ein ganz besonderer Ruf voraus, der allerdings weniger auf der brüskierten zeitgenössischen Rezeption beruht (die New York Times sprach von einem schmutzigen Gebräu aus Märchen, freudianischer Torheit und Eight-Avenue-Peepshow) als auf der relativ unorthodoxen Verschränkung von Porno- und Horrorfilm, die so mancher Erwartungshaltung zuwiderlief. Statt eines abgründigen Werwolfspektakels, das die Motive des Genres weiter radikalisiert und verändert erscheint Movie “La bête” eher als ironische und leichtfüßige erotische Phantasie, welche den sexuellen Gehalt der Fabel von der Schönen und dem Biest zumindest in Teilen freilegt und die trotz einiger irritierender Momente eher Mühe hat ihrem unglücklichen Etikett des Skandalfilms gerecht zu werden.

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Der Film beginnt ausgesprochen zünftig mit der Kopulation von Pferden. Der stattliche Schlauch des Hengstes und die pulsierende Scheide der Stute werden aneinander montiert. Der Geschlechtsakt selbst gerät zum gewaltigen Ereignis, der wie von Chris Marker in seiner Filmbeschreibung betont, den Charakter einer Zeremonie gewinnt, der Mathurin, Sohn des Schlossbesitzers, ergriffen beiwohnt.

Der sensible und ausgesprochen soziophobische Mathurin soll um das Anwesen seines Vaters, Marquis Pierre de L’Espérance, zu retten, die reiche Amerikanerin Lucy heiraten. Lucy erhält das Vermögen ihres Vaters jedoch nur unter der Bedingung, dass sie den Sohn des Marquis’ heiratet und das die Eheschließung unter Kardinal Joseph de Balo vollzogen wird. Beides erweist sich als ausnehmend schwierig. Der Kardinal hegt keine große Sympathie für die Familie und sein Bruder Rammendelo de Balo, der Onkel des Marquis’, versucht die Ehe zu verhindern, da er aufgrund eines alten Familienfluches glaubt, Mathurin müsse im Fall der Ehelichung sterben.

Lucy erreicht zusammen mit ihrer Tante Virginia, die der Hochzeit eher zurückhaltend gegenübersteht, das Schloss. Deren Vorbehalte werden bekräftigt, als sie erfährt, dass der Marquis damit beschäftigt ist, seinen eigenen Sohn zu waschen. Ihre Nichte verhält sich hingegen weit weniger reserviert und erkundet interessiert das Interieur des Schlosses.

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Ferner weilt auf dem Anwesen die Tochter des Marquis’, die ein leidenschaftliches Verhältnis mit dem Bediensteten unterhält (ein junger farbiger Mann, der dem Klischee entsprechend ausgesprochen gut bestückt ist). Der im Verlaufe des Films von beiden mehrfach unternommene Versuch sexuell aktiv zu werden, wird immer wieder gestört, da der Marquis nach seinem Diener verlangt, sodass die junge Dame auf den Bettpfosten ausweichen muss, um sich Befriedigung zu verschaffen. Ebenfalls anwesend ist ein älterer Geistlicher, der zwei minderjährige Novizen bei sich führt, die er auf den Mund küsst und mit denen er Arm in Arm schläft.

Beflügelt von der Geschichte einer Vorfahrin des Hauses, die neben der Zeichnung eines tierähnlichen Ungetüms die rätselhafte Notiz hinterließ, dass sie der Bestie begegnet sei und mit ihr gekämpft habe, träumt Lucy von diesem Abenteuer. Es ist ein erotischer Traum, indem sich die Frau nach anfänglicher Flucht auf den Sex mit der Bestie einlässt und diese solange zur Ejakulation bringt, bis Blut über deren Schnauze fließt und sie tot danieder liegt. Als Lucy erwacht, muss sie mit Entsetzen feststellen, dass das Geträumte eng an das Schicksal des jungen Mathurin gebunden ist.

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Was in der Beschreibung delirierende Exzesse evoziert, erweist sich in der filmischen Umsetzung als relativ nüchtern. Lange statische Einstellungen, nur sparsam eingesetzte Kamerabewegungen und für die Thematik überraschend wenig Manierismen bestimmen die Inszenierung. Das Barocke, die Opulenz, die dem Film immer wieder zugeschrieben wird, findet sich in den Bildern kaum wieder. Der Bildraum zieht sich beklemmend eng um Personen und Gesichter. Dynamik entwickelt der Film nur in der Anfangs- und schließlich der Traumsequenz, die mit dem mehrfach aneinandergereihten Moneyshot, der schnellen Montage von Großaufnahmen und viel Gegrunze und Gestöhne den erwarteten Exzess einzulösen vermag, wenngleich Borowczyk mit einer Menge Augenzwinkern und der kontrapunktisch eingesetzten Musik von Scarletti eher das Groteske des Geschehens unterstreicht. Der Regisseur reagiert mit Spott auf jene männliche Hysterie, dass die unersättliche sexuelle Gier der Frau den Mann auszulöschen vermag. In Hesiods “Melampodie” findet sich die Geschichte von Teirasius, der von den Göttern verwandelt abwechselnd als Frau und Mann lebte: “Eben jener Teirasius wurde von Zeus und Hera auserwählt, um die Frage zu entscheiden, wer beim Geschlechtsverkehr mehr Lust erlebe, der Mann oder die Frau. Und er sagte: ,Von zehn Teilen genießt der Mann eines, die Sinne der Frau aber genießen alle zehn in Fülle.’” (Hesiod) Da er das Geheimnis der Frauen verraten hatte, blendete ihn die Göttin Hera zur Strafe. Der Selbstbeherrschung des Mannes entgegengesetzt wird die Unersättlichkeit der Frau. Damit verbunden ist der Mythos der Vagina dentata, die der Legende folgend einige Frauen in die Lage versetzte, ihre Sexualpartner mit ihrem Geschlechtsteil zu kastrieren. Ein Mythos, den Freud für seine Theorie der Kastrationsangst reanimierte. Auch in Movie “La bête” muss das arme affenartige Biest der Lust der Frau erliegen.

Der Diskurs über den pornographischen Film ist bestimmt von der Frage wie der Orgasmus der Frau sichtbar gemacht und wie sie befriedigt werden könne. Während der Moneyshot den Orgasmus des Mannes bezeugt, bleibt der Orgasmus der Frau ein ,Mysterium’. Dreh- und Angelpunkt vieler pornographischer Filme, die zeitnah mit Movie “La bête” erschienen, war die Frage, welcher Mittel es bedarf, die Frau zu befriedigen. Nicht selten als Lösung angeboten wurde die Wahl des richtigen und perfekt ausstaffierten Mannes. Borowczyk interessiert sich jedoch eher für den weiblichen Lustgewinn durch Masturbation, unterstützt durch Gegenstände, Kleidung, Pflanzen. Offensichtlich eine Form der Sexualität, der er visuell mehr Ausdrucksmöglichkeiten einräumt als dem Akt der Penetration.

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Die Traumsequenz ist der eigentliche Grund für die Existenz des Films. Ursprünglich eine nicht verwendete Episode für Borowczyks Film Movie “Unmoralische Geschichten” wurde sie für Movie “La bête” in eine Spielfilmhandlung eingebettet, der sie nicht einfach nur als visueller Höhepunkt dient. Geschickt wurde das vorhandene Material mit der Struktur des Films vernetzt, das so zum Zentrum von Bild- und Handlungsraum wird. Über das reichhaltige Angebot, das der Film an Bildern, Motiven offeriert, die den Brückenschlag zu verschiedenen Diskursen ermöglichen (die Neurosen, die Traumarbeit bei Freud, der Sadismus, die Einsamkeit bei de Sade oder die Faszination des Todes für die Erotik bei Bataille), erweist er sich auch als eigenwillige und komplexe filmische Konstruktion.

Obgleich der Film über weite Teile einen leichtfüßigen Ton anschlägt, bleibt er doch ziemlich befremdlich. Vergewaltigung von Minderjährigen, Sodomie, Mord, krankhafte Phobien, Intrigen - all das wird angedeutet oder konkret gezeigt mit einer oft seltsamen Beiläufigkeit, mit zugleich verfremdenden und Realität erzeugenden Effekten und was wohl wichtiger ist auch ohne in eindeutiger, simplifizierter Form ein Urteil über das zu sprechen, was hier einer durchaus sinnlichen Darstellung überantwortet wird.

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Das zurzeit wahrscheinlich ambitionierteste deutsche DVD-Label Bildstörung hat sich Movie “La bête” angenommen und dementsprechend ist auch das Ergebnis ausgefallen. Von der Gestaltung der Hülle über die Präsentation des Films bis hin zu der Aufbereitung der Extras ist diese Edition den bisherigen Veröffentlichungen des Films deutlich überlegen. Das hervorragende, natürlich anamorph vorliegende Bild im Format 1:1,66 erfüllt die an das Label gestellten Erwartungen. Sowohl die deutsche wie die französische Tonspur sind enthalten. Da sich die Synchronisation in der Übertragung des amerikanischen Akzents ins Deutsche ein bisschen arg verhebt, ist das französische Original deutlich zu bevorzugen, was aufgrund der vorhandenen Untertitel auch kein Problem darstellt. Die Extras bestehen u.a. aus Interviews mit Borowczyk (hier zieht der Regisseur selbst noch einmal die Verbindungen zu Freud oder Ovid) und dem Kameramann Noël Véry, einer Dokumentation über die Entstehung des Films und dem zeitgleich mit Movie “La bête” entstandenen Kurzfilm Movie “L’escargot de Vénus”. Sämtliche Extras sind deutsch untertitelt. In einer auf 500 Stück limitierten Auflage haben Bildstörung eine Doppel-DVD veröffentlicht, auf der noch zusätzlich ein 98minütiger ,Rohschnitt’ des Films zu finden ist. Die auf der regulären DVD enthaltene Version läuft 94 Minuten und ist die vom Regisseur authorisierte. Die Unterschiede lassen sich allerdings auch auf der regulären DVD durch die beigefügten Deleted Scenes nachvollziehen. Zudem wurden die entsprechenden Szenen der offiziellen Fassung (als kleine Einblendung unten rechts im Bild) den erweiterten Szenen gegenübergestellt. Eigentlicher Höhepunkt der Veröffentlichung ist aber das über 50 Seiten starke Booklet mit Beiträgen von u.a. Chris Marker, David Thompson und Jean Paul Sarré, welche einen weitreichenden Einstieg in die Diskurse um den Film, in seine Zensurgeschichte ermöglichen. In einer besseren Edition wird man den Film auf diesem Medium wohl kaum zu sehen bekommen. Im Oktober soll Zulawskis unglaublicher Movie “Possession” mit Isabella Adjani und Sam Neil bei Bildstörung erscheinen, was dann wohl heißt, dass die gute alte Anchor Bay Scheibe entsorgt gehört.

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P Diese DVD wurde uns freundlicherweise vom Label PicDE Bildstörung zur Verfügung gestellt! Vielen Dank!

Letztes Update: 16. September 2009 Back    Hoch

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