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Eines gleich vorweg: “A History of Violence” ist einer jener Filme, den man möglichst mit wenig Vorwissen begutachten sollte, um die größtmögliche Wirkung der Geschichte bzw. Inszenierung erfahren zu können. Daher rate ich allen, die sich den Film in absehbarer Zeit ansehen möchten, davor ab, sich zu sehr im Vorfeld über die Geschichte zu informieren, da ansonsten der Filmgenuss geschmälert werden könnte. Mein Kurzreview beinhaltet allerdings keine Spoiler und ist daher auch eher kurz ausgefallen.
Tom Stall (Viggo Mortenson) ist ein Coffeeshop-Besitzer in der beschaulichen Kleinstadt Millsbrook in Indianapolis. Dort lebt er mit seiner Frau Edie (Maria Bello), einer Anwältin, sowie den beiden Kindern Jack (Ashton Holmes) und Sarah (Heidi Hayes) den perfekten Landhaustraum.
Tom ist in der Stadt und bei seinen Angestellten beliebt und auch seine Ehe läuft mehr als harmonisch. Doch vieles, was auf den ersten Blick glücklich erscheint, erweißt sich bei näherer Betrachtung als doch nicht so perfekt. So wird Jack von einem Mitschüler gequält, deren Attacken er jedoch geduldig erträgt.
Bald wird die idyllische Ruhe aber schlagartig getrübt, als eines Abends zufällig zwei gesuchte Gewaltverbrecher seine Imbiss-Bude überfallen wollen und ihn, seine Angestellten und ein paar Gäste bedrohen. In Notwehr erschießt Tom die beiden Gangster und wird so über Nacht mit Hilfe der Medien zum lokalen Helden abgestempelt. Doch dem zurückhaltenden Wirt ist der Wirbel um seine Person nicht geheuer und mehr als unangenehm.
Doch der neu-erworbene Ruhm macht jedoch nicht nur Fans des “American Heroes” mobil, die fortan sein Diner füllen, auch zwielichtige Gestalten werden auf ihn aufmerksam. So sitzt eines Tages Carl Fogarty (Ed Harris) und zwei weitere, zwielichtige Gestalten am Tresen und konfrontieren Tom mit seiner angeblichen dunklen Vergangenheit. So sei er in Wirklichkeit nicht Tom Stall, sondern der untergetauchte Profikiller Joey Cusack aus Philadelphia, mit dem Fogarty noch eine Rechnung zu begleichen hat. Tom beteuert keinen Joey zu kennen und verweist auf eine Verwechslung. Doch Fogarty ist sich sicher und verfolgt Tom ab diesem Zeitpunkt, der bald nicht nur sich, sondern auch seine Familie bedroht sieht.
Tom gerät jedoch auch bald gegenüber seiner Familie in Erklärungsnotstand, weil er sich für einen durchschnittlichen Familienvater in Gewaltsituationen doch einfach einen Tick zu professionell verhält… Ist Tom etwa doch der gesuchte Auftragskiller Joey? Ist alles, was er jemals von seiner Vergangenheit erzählt hat gelogen? Auch Jack hat mittlerweile beschlossen - aufgeschaukelt durch die Heldentat seines Vaters, den Angriffen seines Mitschülers nicht mehr tatenlos zuzusehen. Und so findet sich die Familie Stall bald in einem Strudel aus Lügen und Gewalt, Mord und Totschlag wieder, bei dem nichts mehr so sein wird, wie es einmal war….
Das Gewalt meist Gegengewalt erzeugt, ist dem Kinogänger ja eine geläufige Tatsache. Allerdings wird diese selten so schonungslos, realistisch und überraschend auf den Zuseher losgelassen, wie in David Cronenbergs “A History of Violence”.
Fühlt man sich anfänglich noch in eine Kinofassung der “Waltons” versetzt, in dem sich schon mal die ganze Familie rührend um die kleine Sarah kümmert, die angesichts eines Alptraumes aus dem Schlaf gerissen wird, so wird der Zuseher spätestens beim Überfall auf dem Coffee-Shop unsanft seinerseits aus der Ruhe gerissen. Und bald stellt sich nicht nur für die Familie Stall die gesamte Situation wesentlich anders dar, als ursprünglich angenommen - auch die Verwirrung des Zusehers steigt mit zunehmender Laufzeit. Und so bin auch ich (und da bin ich wohl nicht der Einzige) doch etwas ratlos und mit zwiespältigen Gefühlen aus dem Kinosaal gekommen.
Mittlerweile ist meine Ratlosigkeit jedoch gewichen und zurück geblieben ist ein durchschnittlich-inszenierter Film mit etwas bitterem Nachgeschmack. Cronenberg erzählt eine - auf den ersten Blick - so typische amerikanische Geschichte, dass es fast schon weh tut. Die “Heile-Welt-Thematik” wird so derartig überstrapaziert, dass in den ersten 20 Minuten meine Geduld doch etwas arg gefordert wurde. Danach ändert der Film jedoch mehrmals seine Laufbahn schlagartig und es wird von Cronenberg nichts unversucht gelassen, das zuerst erworbene Bild und die Erwartungshaltung des Zuschauers zu zerstören. Leider teils mit so konstruierten Entwicklungen und klischeehaften Figuren (darunter auch die beiden Kriminellen zu Beginn des Filmes), dass trotz sehr guter schauspielerischen Leistungen des Ensembles keine so rechte Freude darüber aufkommen mag.
Sicherlich gab es Momente im Kinosaal, in dem alle Besucher mucksmäuschenstill und gebannt auf die große Leinwand blickten, aber das Gelächter einiger Kinogeher beim Finale mag aber vermutlich nicht so recht im Interesse des Regisseurs gelegen haben.
Und so wurden - meiner Meinung nach - auch einige Möglichkeiten, wie z.B. die emotionale Entwicklung des Sohnes, doch einigermaßen verschenkt. Auch sind Handlungen diverser Personen nicht ganz nachvollziehbar. Vergleiche zu anderen Filmen ähnlicher Thematik, vor allem Sam Peckinpahs “Straw Dogs” drängen sich auf, bei dem ich ebenfalls die Entwicklung der Charaktere im Lauf des Filmes nicht ganz nachvollziehen konnte. Ebenso beinhaltet “A History of Violence” eine ebenso fragwürdige Sex-Szene, die ich bei “Straw Dogs” als äußerst unlogisch und entbehrlich empfunden habe.
Leider kann ich an dieser Stelle nicht auf die diversen Entwicklungen (vor allem gegen Ende) des Filmes eingehen, da ich ansonsten alles Spoilern müsste. Zurück bleibt jedenfalls ein Film, der in seinem Ansatz und in Bezug auf die realistische Gewaltdarstellung wohl noch am ehesten mit Michael Hanekes “Funny Games” vergleichbar ist, allerdings hoffnungslos in seinen überzeichneten Pathos und seiner unlogischen Geschichte untergeht. Die indirekte Verarschung haben die Amis wohl nicht so recht kapiert, anders kann ich mir den Überraschungserfolg in den Staaten nicht erklären.
Interessant wäre ja nur, was Lars von Trier in Bezug auf die Inszenierung bzw. David Lynch in Punkto Potenzial der Geschichte gemacht hätten.
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