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Zwei junge Frauen teilen sich eine großzügige 2-Zimmerwohnung inklusive Küche und Bad (im japanischen auch “2LDK” genannt) in der Stadtmitte von Tokio, die den Beiden von ihrer Agentur zur Verfügung gestellt wurde. Beide befinden sich in der Endrunde eines Castings für die Hauptrolle in einer geplanten Serie, die den großen Durchbruch bringen soll. Sie wissen bereits, dass eine von den beiden ambitionierten Jung-Schauspielerinnen die Rolle bekommen wird, doch das Ergebnis werden sie erst am nächsten Morgen erfahren…
Was sich in den ersten Minuten als harmonische Zweck-WG präsentiert, entpuppt sich bald bei näherer Betrachtung als die Brutstätte von verdrängten Aggressionen, Neid und Existenzängsten, da die beiden jungen Mädls unterschiedlicher nicht sein könnten: Lana ist das glamouröse, exzentrische etwas oberflächliche Girl mit Hang zum Luxus, zweifelhafter Schauspielvergangenheit und Schuldgefühlen weil sich eine Ehefrau samt Kind einer Liaison von ihr umgebracht hat, sowie die schüchtere, etwas unscheinbare Nozomi aus der Provinz, die zwar nebenbei noch auf einer Elite-Uni studiert und eine Vorliebe für das große, dramatische Theater hegt, deren Mutter die Gute allerdings lieber verheiratet hinter der Theke des örtlichen Reisbäckerei-Geschäftes, anstatt in der großen, fremden Stadt sehen würde.
Nozomi ist Ordnungsfanatikerin, stellt überkorrekte WG-Regeln auf, durchsucht Teppich und Armaturen nach Haaren der Anderen und beschriftet sogar den Inhalt des Kühlschrankes nach den getrennten Besitzverhältnissen. Lana hingegen kümmert sich aber einen Dreck um diese Regeln und nimmt sich - wie in anderen Dingen des Lebens - ohne Rücksicht auf andere einfach das, was sie haben möchte.
Die Lage spitzt sich erheblich zu, als der beginnende Zicken-Zoff immer größere Ausmaße annimmt. Zuerst wird man nur Zeuge, wie sich die beiden allerlei Gehässigkeiten an den Hals wünschen, die jedoch nicht ausgesprochen werden, im Verlauf den Filmes schrecken die zwei Damen jedoch auch vor (körperlicher) Gewalt nicht mehr zurück.
Zuerst werden nur die lieb gewonnenen Stücke der anderen zerstört, danach entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod bei dem allerlei Haushaltgeräte und Ziergegenstände, ja sogar das chlorhaltige Putzmittel als umfunktioniertes Tötungsmittel herhalten muss. Beide wollen diese Rolle - koste es was es wolle…
Wenn man den Gerüchten glauben darf, dann ist dieser Film in einer bierseligen Laune aus einer Wette zwischen zwei Regisseuren heraus entstanden. Yukihiko Tsutsumi und Ryuhei Kitamura (der den zweiten Teil des Duell-Projektes “Aragami” inszeniert hat) sollten beide jeweils einen Film über ein Duell zweier Personen inszenieren, der nur in einer Nacht und auf engsten Raum spielen soll. Das Publikum sollte dann letztendlich über einen Sieg urteilen.
Während Kitamura eher einen traditionellen Weg ging und ein klassisches Samurai-Drama inszenierte, ging Tsutsumi einen völlig anderen Weg und lies zwei junge Schauspielerinnen in einer geräumigen Wohnung gegeneinander antreten, die alsbald wie Wildgewordene Furien aufeinander losgehen.
“2LDK” ist dabei nicht todernst inszeniert, sondern besticht durch seinen durchgezogenen schwarzen Humor und Seitenhiebe auf das zwischenmenschliche Zusammenleben. Jeder der selbst mal in einer WG gelebt hat, wird amüsiert angesichts der gezeigten Szenen reagieren.
Und wer hat nicht schon mal einem Gegenüber mit einem Lächeln den Teufel an den Hals gewünscht? Also sozusagen ein zutiefst menschliches Verhalten, dass die beiden Damen da an den Tag legen… Die beiden Charaktere sind weiters so angelegt, dass sich jeder zum Teil darin wieder finden kann. Egal ob ordnungsliebend oder das genaue Gegenteil, tiefgründig oder oberflächlich - als Zuseher wird man zwangsläufig die eine oder andere sympathischer finden und seiner Favoritin bis zum bitteren Ende die Daumen drücken.
Die Geschichte selbst wird nicht überstrapaziert und so ist der Film mit seinen knapp 70 Minuten auch gerade richtig geraten. Für eine längere Laufzeit hätte es wohl nicht gereicht.
Die beiden Schauspielerinnen agieren überzeugend und auch die Inszenierung, die zwar eher an einen Indie-Film als großes Kino erinnert und die Kameraführung, welche der Stimmung der Protagonisten entsprechend zunehmends hektischer wird, finde ich sehr gelungen. Und auch wenn das Ende in einer Art und Weise absehbar ist, so ist es einfach ein hinterfotziger Spaß, den beiden Zicken zuzusehen.
Die DVD von Rapid Eye Movies ist im Rahmen des “Duell-Projektes” gemeinsam mit “Aragami” erschienen und bietet die Originalversion inklusive deutscher Untertitel, sowie eine deutsche Synchronisation, die durchaus als gelungen betrachtet werden kann.
Witziges Detail am Rande: die Preise der MiuMiu-Schuhe, Chanel-Accessoires und Hermés-Uhr sind in der deutschen Synchronisation schon sehr stark verbilligt worden. Um 300 Yen bekommt man ja nicht sonderlich viel… Trotzdem gefällt mir die japanische Tonspur doch einen Tick besser, da diese noch authentischer daher kommt.
Als Bonusmaterial gibt es noch den Kino-Trailer, eine ausgiebige REM-Trailershow, eine Video-Message der Hauptdarstellerinnen und des Regisseurs an das Publikum, ein augenzwinkerndes Making-of, sowie ein exklusives Interview mit dem Regisseur Yukihiko Tsutsumi.
Alles in allem eine sehr spaßige, kurzweilige Angelegenheit, dessen Anschaffung durchaus überlegenswert ist. Zum absoluten Burner reicht es zwar meiner Meinung nach nicht ganz, aber gesehen haben sollte man “2LDK” auf jeden Fall.
Mir hat das Ganze auf jeden Fall gut gefallen und so freue ich mich auch jetzt schon auf den zweiten Teil des “Duell-Projektes”
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