Review: High Heels

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DE High Heels
OT: ES Tacones lejanos
AT: USA UK High Heels AT: DE High Heels - Die Waffen einer Frau
AT: FRANZ Talons aiguilles AT: NL High Heels

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Genre
p Drama | Komödie
Land
p ES   Frankreich
Jahr
p  1991
Links
p USA Externer Link www.imdb.com
p DE Externer Link www.ofdb.de
p DE Externer Link Wikipedia
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jogiwan P Autor: Ex  jogiwan

P 18. August 2005

Regie
p Pedro Almodóvar
drehbuch
p Pedro Almodóvar (Drehbuch)
Musik
p Ryuichi Sakamoto
Kamera
p Alfredo F. Mayo
Schnitt
p José Salcedo
Produktion
p Agustín Almodóvar (Executive Producer)
p Enrique Posner (Associate Producer)
 
Darsteller
p Victoria Abril - Rebeca
p Marisa Paredes - Becky del Páramo
p Miguel Bosé - Richter Domínguez
p Anna Lizaran - Margarita
p Mayrata O’Wisiedo - Mutter des Richters
p Cristina Marcos - Paula
p Féodor Atkine - Manuel
p Pedro Díez del Corral - Alberto
p Bibiana Fernández - Suzanna
p Nacho Martínez - Juan
p Miriam Díaz Aroca - Isabel
p Rocío Muñoz - Rebeca niña
p Lupe Barrado - Luisa
p Juan José Otegui - Kaplan im Hospital
p Paula Soldevila - Krankenschwester
p Javier Bardem - Regidor T.V.

ACHTUNG: Das Review könnte Spoiler beinhalten !!!

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Madrid 1974: die 12jährige Rebeca wird Zeuge eines Streites ihrer Mutter mit dem Stiefvater. Ihre Mutter, die Sängerin Becky hat ein Angebot bekommen, in Mexiko einen Film zu drehen. Der Stiefvater möchte jedoch, dass Becky ihrer Beruf zugunsten der Familie ganz aufgibt.
Der Streit eskaliert und das Kind vertauscht - um der Mutter zu helfen - die Tabletten des Stiefvaters, der daraufhin bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Dem Erfolg Beckys und dem gemeinsamen Glück mit der Mutter soll nichts im Wege stehe. Doch Becky entscheidet sich nur für ihre Karriere und lässt das Kind bei ihrem leiblichen Vater in Madrid zurück.

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Szenenwechsel: die mittlerweile sehr erfolgreiche Sängerin und Schauspielerin Becky del Páramo (Marisa Paredes) kehrt nachdem sie 15 Jahre in Mexiko verbracht hat, wieder nach Madrid zurück. Am Flughafen wird sie bereits sehnsüchtig von ihrer Tochter Rebeca (Victoria Abril) erwartet. Diese hat die Mutter jahrelang nicht gesehen und ist mittlerweile mit Manuel (Féodor Atkine), einem Jugendfreund ihrer Mutter, verheiratet. Manuel, einst Reporter ist mittlerweile wohlhabender Besitzer einer TV-Station, in der Rebecca gemeinsam mit der attraktiven Isabel eine Nachrichtenshow moderiert.
Rebeca überredet ihre Mutter und ihren Gatten an ihrem ersten Abend in Madrid zu einem Besuch in einen Schwulenclub, in dem ihr Freund, der Transvestit Letal (Miguel Bosé) in einer Show die junge Rebeca imitiert und ihre Schlager singt. Die egozentrische Rebeca ist angesichts der Imitation geschmeichelt, ihr Mann jedoch aufgrund des Ambientes und dem Freund seiner Frau weniger begeistert.

Als Becky Letal in seiner Garderobe beim Zusammenräumen zu Hand geht, verführt dieser die völlig überraschte Becky sexuell, worauf diese schwanger wird. Doch nach diesem Abend verschwindet Letal ohne Rebeca einen richtigen Namen, Telefonnummer oder Adresse zu hinterlassen…

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Einige Zeit später wird Manuel nächtens in seinem Landhaus erschossen. Am Abend seines Todes waren drei Frauen zu Besuch. Mit Isabel hat der geschlafen, mit Becky hat er gestritten und Rebeca hat ihn angeblich schon tot aufgefunden. Die Erhebungen zum Fall führt Richter Domínguez (abermals Miguel Bosé), der die Frauen nacheinander verhört. Eine von den Dreien muss es gewesen sein und obwohl jede von Ihnen auch auf ihre Art ein Motiv hätte, bekunden sie doch alle ihre Unschuld.
Kurz darauf liefert die völlig entnervte Rebeca, als sie im Zuge ihrer Nachrichtensendung den Nachruf ihres verstorbenen Mannes verlesen muss, ein Geständnis ab und wandert ins Gefängnis. Doch zu diesem Zeitpunkt gibt es keinen Hinweis auf die tatsächliche Schuld Rebecas und auch die Mordwaffe bleibt verschwunden. Richter Domínguez ist von ihrer Schuld nicht überzeugt und ermittelt weiter. Rebeca weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es sich bei dem Richter auch um ihren Freund Letal handelt, von dem sie ein Kind unter ihrem Herzen trägt…

Wenig später bricht die herzkranke Becky bei einer ihrer Shows auf der Bühne zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Die mittlerweile aus dem Gefängnis wieder entlassene Rebecca gesteht am Krankenbett der Mutter den Mord an ihrem Gatten und liefert als Beweis die Tatwaffe. Die Mutter ruft daraufhin Richter Domínguez und nimmt die Tat auf sich. Kurz darauf verstirbt sie.
Mit der letzten Handlung vor ihrem Tod hat sie sich für das Opfer Rebecas in ihrer Kindheit gebührend revanchiert und ermöglicht ihr so eine weitere Zukunft, die nicht nur für den Zuseher, sondern auch für Rebeca ungewiss sein wird…

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Almodovar reduziert in Movie “High Heels” neuerlich den Humor seiner frühren Filme zugunsten einer wesentlich größeren Dramatik. Rebeca hat einst ihre kindliche Unschuld zugunsten der Karriere ihrer Mutter geopfert. Ein Akt, den die Mutter nie verstanden, geschweige denn sich dafür revanchiert hat. Das einstige Versprechen der Mutter, das niemand sie von ihrer Tochter trennen könne, hat sie ohne mit der Wimper zu zucken gebrochen und hat ihre Tochter beim ungeliebten Vater zurückgelassen.
Rebeca hingegen sucht ständig nach Annerkennung von Seiten der Mutter, die sich jedoch auch nach dem neuerlichen Treffen nicht sonderlich um ihrer Tochter kümmert. Ihre eigene Karriere scheint auch dieses Mal im Vordergrund zu stehen. Rebeca möchte wie ihre Mutter sein, ist jedoch in allen Belangen schlechter als ihre übergroße Mutter.
Sie hat sich den ausrangierten Liebhaber ihrer Mutter geschnappt und geheiratet, verliert ihn aber neuerlich an ihre Mutter, nachdem diese wieder in Madrid ist. Den Versuch als Nachrichtensprecherin wie Becky im Fernsehen aufzutreten hat sie auch eher Protektion als ihrem Talent zu verdanken.
In einer der wohl intensivsten Szenen des Filmes, einem Streit zwischen Mutter und Tochter in einem Gerichtsgebäude, erklärt die tief-verletzte Rebeca ihrer Mutter, wie sehr sie doch stets unter der übergroßen Begabung der Mutter gelitten hat.
Pedro Almodóvar selbst sagt über diese Szene: “Fünfzehnmal haben wir die Szene aufgenommen; ich wollte sie als Sequenz-Einstellung haben, damit Victoria (Abril) den Text ganz ausspielen konnte. (…) Das war beeindruckend, niemand im Studio hat gesprochen. Es war ein wirkliches Schauspiel, wie im Theater. Die Techniker saßen alle still da und schauten zu. Noch nie hatte ich bei meinen Dreharbeiten eine Atmosphäre von ähnlicher Intensität erlebt.” )*

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Grosse Schauspielerei trifft es auch ziemlich gut. Die Leistungen der Darsteller sind auch wirklich beeindruckend. Victoria Abril meistert die schwierige Rolle der verletzen Tochter, die ewig nach Annerkennung seitens ihrer Mutter sucht, mit Bravour. Ihr Schmerz, ihre Tränen und ihre Verzweiflung sind zu jeder Sekunde nachvollziehbar.
Marisa Paredes hingegen spielt nicht nur die Diva - sie ist auch eindeutig eine - sie ist glamourös, erfolgreich und über jeden Zweifel erhaben. Ihre großartige Leistung in Movie “High Heels” hat sie jedoch Jahre danach in Movie “Alles über meine Mutter” sogar noch toppen können.

Doch die interessanteste Rolle in Movie “High Heels” übernimmt wohl eindeutig Miguel Bosé. Als Transvestit Letal imitiert er Beckys Mutter und recherchiert an Morden in Schwulenclubs, als Hugo untersucht er Undercover Fälle in Drogenmilieu, als Richter Domínguez versucht er den Mord an Beckys Mann aufzuklären und kümmert sich als Treusorgender Sohn rührend um seine hypochondrische Mutter. Als ihn Becky am Ende von Movie “High Heels” die Frage stellt, wenn von seinen Persönlichkeiten sie denn jetzt lieben solle, antwortet er spontan: “alle drei…!”

Die deutsche DVD von Universal verfügt über sehr gutes Bild und Ton. Den Film gibt’s im spanischen Original, sowie in der deutschen Synchronisation zu bewundern. Dazu gibt es optional deutsche und englische Untertitel.
Leider ist es abermals verabsäumt worden, außer einem TV-Trailer weiteres Bonusmaterial auf die Scheibe zu packen. Eine schöne und empfehlenswerte Veröffentlichung bleibt die Scheibe trotzdem.

)* diese Info und vieles mehr hab´ ich aus dem empfehlenswerten Buch: “Almodóvar - Kino der Leidenschaften” von Christoph Haas, erschienen in der ARTE-Edition beim Europa-Verlag.

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Letztes Update: 20. Februar 2006 Back    Hoch

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