Review: Women on the Verge of a Nervous Breakdown

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UK Women on the Verge of a Nervous Breakdown
OT: ES Mujeres al borde de un ataque de nervios
AT: USA Women on the Verge of a Nervous Breakdown AT: ITAL Donne sullorlo di una crisi di nervi
AT: DE Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Genre
p Komödie | Drama
Land
p ES
Jahr
p  1988
Links
p USA Externer Link www.imdb.com
p DE Externer Link www.ofdb.de
p DE Externer Link Wikipedia
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jogiwan P Autor: Ex  jogiwan

P 14. August 2005

Regie
p Pedro Almodóvar
drehbuch
p Jean Cocteau (Stück)
p Pedro Almodóvar (Story + Drehbuch)
Musik
p Bernardo Bonezzi
Kamera
p José Luis Alcaine
Schnitt
p José Salcedo
Produktion
p Pedro Almodóvar (Producer)
p Agustín Almodóvar (Executive Producer)
p Antonio Llorens (Associate Producer)
 
Darsteller
p Carmen Maura - Pepa Marcos
p Antonio Banderas - Carlos
p Julieta Serrano - Lucía
p Rossy de Palma - Marisa
p María Barranco - Candela
p Kiti Manver - Paulina Morales
p Guillermo Montesinos - Taxifahrer
p Chus Lampreave - Hausmeisterin Testiga
p Eduardo Calvo - Padre de Lucía
p Loles León - Sektretärin
p Ángel de Andrés López - Polizist
p Fernando Guillén - Iván
p Juan Lombardero - Germán
p José Antonio Navarro - Polizist
p Ana Leza - Ana
p Ambite - Ambite
p Mary González - Madre Lucía
p Lupe Barrado - Sekretärin Paulina
p Agustín Almodóvar - Empleado Inmobiliaria

ACHTUNG: Das Review könnte Spoiler beinhalten !!!

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Pepa (Carmen Maura) ist Synchronsprecherin und schwanger von Ivan, einem Frauenhelden und Berufskollegen der sie vor 8 Tagen sitzen gelassen hat. Ivan hinterlässt ihr eine Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter, dass sie seine Sachen in einen Koffer packen soll, den er dann abholen würde.
Pepa möchte jedoch um ihre gemeinsame Liebe kämpfen und sucht Ivan bei Lucia (Julieta Serrano). Diese war mit Ivan verheiratet und ist frisch aus der Nervenheilanstalt zurück, in der sie viele Jahre verbracht hat weil sie bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes Carlos wahnsinnig geworden ist.
Doch Ivan bleibt weiterhin wie vom Erdboden verschluckt. Pepa ist am Ende ihrer Kräfte und bricht in der Arbeit zusammen, als sie beim Synchronisieren eines Filmes einen Text synchronisieren muss, der ihre in Trümmern liegende Liebe widerspiegelt.

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Doch Pepa gibt nicht auf und blickt nach Vorne, verbrennt die gemeinsamen Erinnerungsstücke im Ehebett und entschließt sich kurzerhand das Appartement, in dem sie viele Jahre mit Ivan lebte, zu verkaufen.
Die ersten Interessenten läuten auch schon bald an der Tür: Carlos (Antonio Banderas), der Sohn von Ivan und Lucia mit seiner resoluten Freundin Marisa (Rossy de Palma). Wenig später steht auch noch Candela, eine Freundin Pepas völlig aufgelöst vor der Wohnungstüre. Diese hatte sich auf eine Affäre mit einem schiitischen Terroristen eingelassen, die eine Flugzeugentführung planten und ist nun auf der Flucht vor der Polizei. Um Candela zu helfen, kontaktiert Pepa die feministischen Anwältin Paulina Morales, ohne zu Wissen, dass es sich dabei um Ivans neue Geliebte handelt.

In dem Appartement geht es mittlerweile ziemlich rund, sodass für Pepa keine Zeit für etwaige Trauer bleibt. Candela versucht sich das Leben zu nehmen und wird in letzter Minute gerettet. Marisa fällt in tiefen Schlaf, als sie ein mit Schlaftabletten versetztes Gazpacho (=Tomatensuppe) trinkt, dass eigentlich für Ivan gedacht war. Carlos informiert die Polizei über die Entführungspläne der Schiiten, von der ihm Candela berichtet hat und kurz darauf stehen auch schon zwei Polizisten vor der Türe.
Ein Servicetechniker der Telefongesellschaft findet sich ein und auch Lucia stattet Pepa einen Besuch ab, da sie Ivan in ihrer Wohnung vermutet. Sie möchte ihn ein für alle mal vergessen und ist hierfür zu allem bereit. Sozusagen High Noon in der siebenten Etage. Die Lage spitzt sich immer weiter zu und gipfelt schlussendlich in einem Mordversuch am Madrider Flughafen….

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Wow - was für ein Film! Gnadenlos vermischt Pedro Almodóvar in seinem Film tragische, tiefsinnige und komische Momente in hohem Tempo miteinander und lässt sie ohne Vorwarnung von der ersten Minute an auf ein völlig überfordertes Publikum los.
Movie “Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs” ist schrill, quietschbunt und trotz tragischer Momente zum Schreien komisch. Die weibliche Darstellerriege, allen voran Carmen Maura laufen unter der Regie Almodóvars zur Höchstform auf und machen den Film zu einem extrem kurzweiligen Filmvergnügen, den ich mir im Grunde gar nicht oft genug ansehen kann.
Der siebente Film des spanischen Meisterregisseurs und brachte vollkommen zurecht daher nicht nur erstmals eine Oscarnominierung für den besten fremdsprachigen Film, sondern nebenbei auch den internationalen Durchbruch. Das europäische Kino steckte ja Ende der Achtziger dank Videothekenboom ordentlich in der Krise.
Movie “Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs” war jedoch am Puls der Zeit, begeisterte Zuschauer und Kritiker gleichermaßen und spielte allein in den USA das zig-fache seine Budgets von $ 700.000,- wieder herein. Der Film zählt nebenbei auch noch zu einem der erfolgreichsten Filme, der außerhalb Hollywoods entstanden ist.

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Aber worum geht es in dem Film denn eigentlich? Das oben erwähnte ist ja abermals nur ein Bruchteil dessen, was eigentlich sonst noch so alles passiert. Es geht in der perfekt ausgeklügelten Geschichte um Frauen, die von Männern verletzt wurden, trotz alledem jedoch nicht von ihnen lassen können und sich schlussendlich doch von ihnen emanzipieren.
Pepa liebt ihren Ivan trotz all seiner Affären immer noch und Lucia konnte ihn erst gar nie vergessen. Candela kriegt beim bloßen Gedanken an den Sex mit ihren Schiiten Gänsehaut, lässt sich aber schon wenig später bereitwillig von Carlos trösten, dessen Freundin wiederum in einem Traum ihre ersten sexuellen Erfahrungen sammelt. Am Ende des Streifens - das bewusst offen gelassen wurde - ist Pepa gestärkt, der Nervenzusammenbruch abgewendet und bereit sich neuen Aufgaben zu stellen.

Jede einzelne Rolle scheint perfekt von Almodovar, der sich wie üblich für das Drehbuch verantwortlich zeigte, auf den jeweiligen Darsteller zugeschnitten.
Die grandiose Carmen Maura als Pepa die in der schwierigsten Situation ihres Lebens Nervenstärke beweisen muss. Julietta Serrano als verrückte Lucia, die erfolgreich versucht zumindest mode-technisch die Zeit anzuhalten und eine streng-gläubige Chus Lampreave als Hausmeisterin.
Ebenfalls überzeugend Maria Barranco als naiv-verzweifelte Candela (eine Rolle die ursprünglich für Victoria Abril vorgesehen war), die “kubistische Schönheit” Rossy de Palma in ihrem Almodovar-Debüt und ein sehr junger Antonio Banderas, über den wohl nicht mehr viel Worte verloren werden müssen.

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Die Bildsprache wirkt auch sehr, sehr ausgereift und Almodóvar scheut auch nicht davor zurück, andere Meisterwerke der Filmgeschichte zu zitieren. So darf sich der geneigte Zuseher an einer eindeutigen Verneigung vor Hitchcocks Movie “Das Fenster zum Hof” erfreuen und die Motorradfahrt Lucias ist eindeutig an die böse Hexe des Movie “Wizards of Oz” angelehnt, wobei Julietta Serrano mit verbitter-stoischen Gesichtsausdruck diese wohl mit Leichtigkeit in den Schatten stellt.
Die Kamera nimmt wie auch in den Vorgängerfilmen teils ungewöhnliche Blickwinkel ein und so gibt es für den Zuseher auch bei mehrmaligem Ansehen noch viele Dinge zu entdecken.

Der einzige Wehrmutstropfen ist allerdings, dass Movie “Frauen am Ende des Nervenzusammenbruchs” auch die letzte Zusammenarbeit zwischen Carmen Maura und Pedro Almodóvar war.

Die beiden verband eine jahrelange, enge Freundschaft und Carmen kann durchaus als Entdeckerin Almodovars bezeichnet werden, die ihn zu Beginn seiner Karriere sowohl schauspielerisch als auch finanziell zur Seite stand und seinen ersten abendfüllenden Film im Grunde erst ermöglichte. Im Zuge der Oscarverleihung kam es zum erbitterten Streit und die Wege der beiden trennten sich. )*

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Wer jetzt allerdings glaubt, dass so ein für die europäische Kinolandschaft wichtiger Film eine würdige Veröffentlichung erfahren durfte, der muss wohl derzeit eines Besseren belehrt werden.
Der Film ist von MGM als europäische Variante mit 5 Ton- und 7 Untertitelspuren und als amerikanische RC1-Variante auf den Markt gekommen. Allerdings sind beide Versionen schon längst “Out of Print” und werden daher leider zu entsprechend hohen Preisen gehandelt bzw. angeboten.
Wer den Film zu einem vernünftigen Preis in die Finger kriegt, sollte auf jeden Fall zuschlagen. Die europäische DVD selbst bietet solides Bild und Ton, jedoch außer dem nordamerikanischen (!!!) Trailer keine weiteren Extras. Trotzdem ein klarer Kauftipp von meiner Seite: zu 90 % originell, zu 100 % Almodóvar und zu 110 % empfehlenswert.

)* diese Info und vieles mehr hab´ ich aus dem empfehlenswerten Buch: “Almodóvar - Kino der Leidenschaften” von Christoph Haas, erschienen in der ARTE-Edition beim Europa-Verlag.

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Letztes Update: 20. Februar 2006 Back    Hoch

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