|
Der Gangster Slanders terrorisiert gemeinsam mit seiner Bande die Gegend, bis er einen fatalen Fehler begeht - er lässt die gesamte Familie des Bürgerkriegs-Veteran Nevada Kid abschlachten. Der schwört nicht eher zu ruhen, bis er den Mörder seiner Familie ins Grab gebracht hat. Unterstützung erhält er dabei von seinem ehemaligen Sklaven Sam und dem kauzigen Kopfgeldjäger John. Eine unerwartete Verbündete findet das Trio in der schönen Monica, deren Vater ebenfalls von Slanders Schergen ermordet wurde. Gemeinsam machen sie sich auf, die Toten zu rächen…
Die Handlung passt locker auf eine Briefmarke, die Sets fallen fast auseinander und Statisten waren Mangelware - willkommen in der Welt von Demofilo Fidani, dem “Ed Wood” des Italo-Westerns! Fidani gehörte zu den Filmemachern des Spaghetti-Westerns, die mit wenig Geld zur Hoch-Zeit dieses Genres wie am Fließband einen Streifen nach dem anderen produzierten. Wo die Finanzen knapp waren, musste man als Regisseur halt etwas kreativ sein, um die eigentlich eindeutigen Mängel zu überspielen - und zumindest in “Per una bara piena di dollari” ist dies Fidani erstaunlich gut gelungen. Der Streifen ist sicherlich keine Genre-Perle, doch alles andere als ein wirklich schlechter Film!
Dazu trägt allein schon die gelungene Kamera-Arbeit des legendären Joe D`Amato bei, der ja vor seiner Karriere als Regisseur unzähliger Exploitation-Filme ein sehr gefragter Kameramann war - was er vor allem seinen Künsten an der Handkamera zu verdanken hatte (bzw. er gilt sogar als einer der Pioniere dieser Technik). D´Amato setzt auf exzessiven Einsatz subjektiver Kamera, ungewöhnliche Kamera-Perspektiven und Zeitlupe bis zum Abwinken. Nevada-Kid fliegt in Slow Motion meterweit durch die Luft und streckt dabei noch seine Gegner nieder, dass es eine wahre Freude ist. Action-Fans jedenfalls kommen voll auf ihre Kosten. Es wird geschossen, bis die Rohre glühen und wenn es dann doch mal still wird, sehnt man sich nach der nächsten Schießerei - denn die sind einfach die besten Momente des Filmes. Bei vielen der Dialog-Szenen hat man den Eindruck, dass man den Film einfach nur mehr strecken wollte (dabei ist der Streifen nicht sonderlich lang!). Hier scheint dann doch deutlich die dilettantische Arbeitsweise Fidanis durch.
Um seine Werke zu verstehen, sollte man nämlich auch mit Fidanis Arbeitstechnik vertraut sein. Statt einen kompletten Film zu drehen, wurde einfach eine neue Rahmenhandlung erstellt und diese dann mit Material aus anderen Filmen aufgefüllt. Viele der Action-Szenen wurden so gleich mehrfach verwertet. Das dabei der Zusammenhang schon mal flöten gehen kann, dürfte klar sein. Man kann Fidani aber durchaus ein geschicktes Händchen beim Zusammenschneiden des Materials attestieren. Hat man nicht die Hintergrundinformationen im Kopf, fallen einem die Ungereimtheiten nicht unbedingt auf - bzw. man erklärt sie mit der Unfähigkeit des Regisseurs.
Was “Für einen Sarg voller Dollars” wirklich sehenswert macht, sind auch die Leistungen der Schauspieler. Diese sind im Grunde genau wie der Film selbst - es mangelt an Qualität, aber mit viel Over-Acting wird der Zuschauer bei Laune gehalten. Das hat man natürlich ganz besonders dem Mitwirken von Energiebündel Klaus Kinski zu verdanken, der - wie sollte es auch anders sein - den brutalen Gangsterboss spielt. In der Original-Version heißt dieser übrigens nicht Slanders, sondern schön germanisch Hagen. Erfreulicherweise ist “Für einen Sarg voller Dollars” keiner dieser unzähligen Western, in denen Kinski nur für wenige Minuten im Bild ist (in der deutschen Fassung dann aber als Hauptdarsteller propagiert wird). Neben Qualitäts-Western wie “Leichen pflastern seinen Weg” und “Satan der Rache” gehörte Kinski zur Stammbesetzung in Fidanis Schund-Filmen. So auch Gordon Mitchell, der hier als etwas schrulliger Kopfgeldjäger zu sehen ist. Neben seinem Wirken in unzähligen Italo-Western dürfte Mitchell den meisten aus diversen Schwert und Sandalen-Filmen bekannt sein, durch die er sich mit geölten Muskelbergen aber wenig schauspielerischem Können prügelte. Jeff “Nevada Kid” Cameron war selbst in solchen Filmen in Kleinstrollen zu sehen, bevor er in Fidanis Machwerken (einen müden Abklatsch von) Django und Sartana spielen durfte.
Der Regisseur - seine Tochter Simonetta spielt übrigens die Monica - dürfte nur absoluten Kennern des Italo-Westerns wirklich ein Begriff sein. Von 1967 bis 1976 drehte er diverse Plagiate bekannter Filme - nicht nur im Western-Genre wie Titel à la “Pate der Bronx” und “Karzan, Jungle Lord” beweisen - bevor er wieder von der Bildfläche verschwand.
Umso löblicher ist es, dass man sich bei Koch Media im Zuge der Western Collection nun auch dem Schaffen von Fidani annimmt und zwar mit einer DVD, die nur wenige Wünsche offen lässt! Das Bild (Vollbild) ist gestochen scharf und macht bis auf eine kurze Passage am Schluss des Filmes (die wohl von einem anderen Master gezogen wurde?) eine sehr gute Figur. Beide Tonspuren (Deutsch, Italienisch in Dolby Digital 2.0) können ebenfalls auf ganzer Linie überzeugen. Nur bei der italienischen Tonspur sind die Dialoge etwas blechern, was aber kaum stört. Optional gibt es deutsche und englische Untertitel (die weder auf dem Backcover noch im Menü angegeben sind).
Beim Bonusmaterial hat man sich sichtlich Mühe gemacht. Neben zwei belanglosen Trailern und einer kurzen Bildergalerie wird ein ausführliches Interview mit der Darstellerin Simonetta Vitelli geboten. Die Tochter Fidanis erzählt interessante Anekdoten vom Set und geht auch näher auf die Arbeitsweise ihres Vaters ein. Erwähnenswert wäre noch, dass der deutsche Trailer im Breitbildformat ist - das Vollbild des Hauptfilms dürfte jedoch eher dem Originalformat entsprechen. Wie immer sehr lesenswert sind die Liner Notes von Italo-Western-Experte Wolfgang Luley.
Nach erneuter Prüfung durch die FSK ist der Film übrigens nun ab 12 freigegeben.
Das überrascht ein wenig, ist “Für einen Sarg voller Dollars” doch ein äußerst Action geladener Film. Sicherlich kein Meisterwerk, weiß der Film doch dank dieser Tatsache und der raffinierten Kameraarbeit von Joe D`Amato bestens zu unterhalten. Jedenfalls ist er weit davon entfernt, der “Plan 9 From Outer Space” des Italo-Western zu sein. Aber vielleicht besitzt Koch Media ja den Mut und veröffentlicht auch mal einen wirklich schlechten Streifen aus der Schmiede Fidanis als edles Digi-Pak? Interesse an solchem Italo-Trash dürfte auf jeden Fall bestehen!
|
Am 24. Juli 2008 um 21:44 Uhr
Wer sich übrigens mal einen wirklich schlechten Film aus der Schmiede Fidanis antun will, dem sei sein “Pate der Bronx” wärmstens “empfohlen”. Völlig zusammenhangslos wird eine brutale Mafiaaktion an die andere geschnitten, unterbrochen durch vollkommen sinnfreie Dialogszenen. Eine Story ist nicht existent, die Dialoge sind dumm, das Herz des Trash-Fans schlägt höher!